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A Game of Thrones: The Story Continues: The complete box set of all 6 books (A Song of Ice and Fire) by Martin, George R. R. (2012)
George R.R. Martin
Meine Frau kommt mit ihrem Mann
Beatrix Petrikowski

Nichts für mich

Schlusstakt - Arno Strobel

Vicky’s Traum ist zum greifen nah: Bei einer neuen Castingshow hat sie es in die letzte Runde vor den Liveshows geschafft. Diese findet auf einer abgelegenen Südsee-Insel statt. Jetzt hat sie die Chance auf zwei Millionen Euro und einen Plattenvertrag. Aber die Castingrunde ist nicht nur hart, sondern tödlich. Vicky’s Mitbewohnerin Carolin wird tot am Strand gefunden – erschlagen.

 

Wer unter ihnen ist zu so etwas fähig? Ein Kandidat oder die Jury?

 

Meinung

 

Schreibstil

 

Arno Strobel schreibt klar, in einfachen, kurzen Sätzen und sehr unkompliziert. Er passt sich also ideal an das Genre des Jugendbuches an. Die Beschreibungen des Settings war gut gelungen. Für mich war es der erste Strobel und ich denke, es wäre besser gewesen, wenn ich nicht direkt als erstes eines der Jugendbücher von ihm gelesen hätte.

 

Charaktere und Geschichte

 

Alles in allem konnte mich das Buch nicht wirklich überzeugen. Wir landen in einem, ich würde sagen Abklatsch gewisser Castingshows auf RTL und Co, mit einer Jury die wohl das ganze etwas durch den Kakao ziehen soll. Vicky macht bei dieser Show mit, was mir schon von Beginn an unbeschreiblich ist. Denn der Vertrag den sie und die anderen Teilnehmer vor der dritten Runde auf der einsamen Insel unterzeichnen müssen, ist der schlimmste Knebelvertrag, den es je gab und sowohl ihre Eltern als auch ein Anwalt raten ihr ab. Dennoch steigt sie in den Flieger…da denk ich mir schon, Kind bist du naiv. Die Protagonisten waren mir auch alle eher nicht so sympathisch, selbst mit Vicky konnte ich nicht warm werden, eben weil sie so naiv war obwohl sie neben Maike und Caroline noch die einzig menschliche war. Ingesamt waren die Charaktere aber sehr blass und oberflächlich und von manchen erfuhr man Hintergründe, die es nicht gebraucht hätten, manche spielten eigentlich überhaupt keine Rolle in der Geschichte und wirkten für mich irgendwie fehl am Platz. Die Jury waren bis auf eine allesamt große A…, die sich einfach nur unverschämt und menschenverachtend aufführten, was im Konzept der Show dazu beitragen soll, die Teilnehmer auf das harte Showbiz vorzubereiten. Ingesamt fand ich das etwas zu überzogen.

 

Die Geschichte selbst folgt zwar einem logischen Aufbau, Spannung kam aber keine auf. Die Show, die Ungeheuerlichkeiten der Jury und ein paar nebensächliche Handlungsstränge sorgten dafür, dass alles eher vor sich hindümpelte. Die kursiven Einschübe im Kapitel geben für mich leider auch bis zum Ende keinen Sinn, sie wären nicht nötig gewesen. Stattdessen wäre eine kleine Abschweifung vom Täter, etwas mehr Wirrungen, für mehr Spannung besser gewesen. Das Ende fand ich dann auch ingesamt etwas unbefriedigend, wenn ich auch gut finde, wie sich Maike und Vicky entscheiden.

 

Fazit

 

Mich konnte Arno Strobel mit Schlusstakt leider nicht überzeugen. Zu gute Halten muss ich dem aber, dass ich ja auch kein Jugendlicher mit 14+ Jahren bin. Mir war die Geschichte einfach etwas zu plump, die Charaktere zu oberflächlich und es fehlte an Spannung. Einen Pluspunkt gibt es aber für die gute Beschreibung des Settings und den klaren Schreibstil. Weshalb ich den Erwachsenen-Thrillern von Strobel auf jeden Fall eine Chance geben werde.

Kaum zu beschreiben - aber Besonders

Tiefe Wellen: Roman - Kat Rosenfield, Stefanie Schäfer

Callie Morgans Mutter ist ertrunken – war es ein Unfall oder Selbstmord? Deshalb hat sie Angst vor dem Wasser. Durch eine ungeklärte Krankheit, steigt das Wasser auch in ihren Lugen. Jahrelang muss Callie leiden, vegetiert vor sich hin, hat kein Leben. Bis ihr Vater eines Tages einen Job im feuchtwarmen Florida annimmt. Plötzlich verschwinden ihre Symptome. Callie findet endlich Freunde und ein Junge verliebt sich sogar in sie. Aber das verworrene, vom Schicksal verfolgte Verhältnis ihrer Familie zum Wasser scheint auch sie zu verfolgen – das Meer ruft sie.

 

Meinung

„Da war ein Schatten im Wasser. Und als er unter unserem Boot verschwand, öffnete das Meer seinen gähnenden blauen Schlund und verschlang meine Mutter mit Haut und Haar.“ (S. 24)

Mir fehlen etwas die Worte – ich bin verwirrt und weiß gar nicht so richtig, wie ich euch das Buch beschrieben soll.

 

Callie verliert mit jungen Jahren ihre Mutter – mitten auf dem Meer sieht sie mit an, wie sie vom Meer verschlungen wird. Bis in ihre späte Jugend hinein, weiß sie nicht, warum – war es ein Unfall, hat sie sich das Leben genommen? Ihr Vater schon und er zieht mit Callie tief ins Landesinnere, von einem Ort zum anderen, nur weg vom Meer und all den schrecklichen Erinnerungen. Doch Callie wird schwer krank, ihre Lunge ist immer wieder voller Flüssigkeit und die Ärzte wissen nicht, was mit ihr los ist und können ihr kaum helfen. Sie lebt ihr Leben eingesperrt zu Hause oder im Krankenhaus, hat keine Freunde und wird immer mitgezogen. Bis ihr Vater eines Tages einen Job in Florida annimmt. Dort endlich geht es ihr mit jedem Tag besser, sie hat ein Leben, findet Freunde und verliebt sich. Doch gleichzeitig bekommt sie jede Nacht sehr reale Träumen, zum Teil Alpträume. Hört den ruf des Wasser, die Stimme ihre Mutter…

 

Der Schreibstil und die Geschichte haben etwas sehr poetisches gemixt mit etwa mystischen. Die Geschichte ist etwas ganz Eigenes, Besonderes. Etwas, dass ich so noch nie gelesen haben. Gleichzeitig hat sie mir sehr verwirrt, ich weiß noch immer nicht, was ich genau empfinden soll. Aber es hat mich auf eine gute Art und Weise verwirrt. Ich hab zwar noch immer keine Ahnung, was nun los war, was mit Callie passiert oder passiert ist, was das ganze mir sagen soll. Aber trotzdem hat mich Kat Rosenfeld mit diesem ganz eigenen, besonderem Stil zu Schreiben gefangen. Die Art, wie sie die Geschichte aufbaut, wie sie mit Worten spielt hat mich gefesselt, trotz der Ungereimtheiten und der offenen Fragen.

 

Fazit

 

Kat Rosenfield schafft viel Spielraum, für eigene Interpretationen, schubst einen nur an aber lässt frei entscheiden, was man denkt, das die Antwort auf die Fragen ist, die Tiefe Wellen hinterlässt. Es ist irgendwie Fantasy, irgendwie Contemporary – lest es am besten selbst und bildet euch eure eigene Meinung zu dieser einzigartige Geschichte.

Ein Must-Read für den Sommer

Ein Sommer und vier Tage - Adriana Popescu

Die 16-jährige Paula würde sich gerne mal so richtig verknallen. Ihr wohlbehütetes Leben geht ihr manchmal ziemlich auf die Nerven. Immer nur lernen, dann Karriere machen. Und das soll alles sein? Viel lieber würde Paula ferne Länder bereisen, ein Abenteuer erleben und sich richtig verlieben. Während der Busfahrt in ein Sommerferienlager in Amalfi, wird sie versehentlich an einer norditalienischen Raststätte zurückgelassen. Ausgerechnet mit dem süßesten Typen der Gruppe. Sie nutzt diese Chance und verbringt mit ihm ein paar wundervolle Tage bei einer Reise quer durch Italien.

 

„Menschen sollten dieses eine Abenteuer erleben, das einem auf ewig im Gedächtnis bleibt und einen sich lebendig fühlen lässt, immer dann, wenn man sich klein und unbedeutend vorkommt.“ (S. 10)

 

Meinung

 

Nachdem ich mich ja schon mehrfach über den Schreibstil von Adriana ausgelassen habe, fasse ich mich mal kurz – es war wie immer wundervoll!

 

Und auch das Buch, war wie immer wundervoll. Adriana schafft es einfach immer wieder, mir ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern, mein Herz fröhlich hüpfen zu lassen und mich gleichzeitig nachdenklich zu stimmen und mich zum Träumen anzuregen. So auch wieder mit ihren zwei so wunderbar liebenswerten, authentischen Charakteren Paula und Lewis. Beide habe ich in mein Herz geschlossen und werde sie wie alle bisherigen Charaktere von Adriana sehr vermissen. Es ist einfach immer wieder erstaunlich, wie real die Protagonisten und ihre Sehnsüchte und Träume sind, wie sehr ich mich mit den weiblichen Protagonistinnen, wie auch Paula, identifizieren kann.

 

Gemeinsam mit Paula und Lewis, der ein wahrer Gentleman ist und schon einen harten Schicksalsschlag hinter sich hat, erleben wir einen Sommer und vier Tage voller Hoffnungen, Träume, Lieblingsmomenten und Schmetterlingen im Bauch. Ein paar Tage voller Abenteuer, unüberlegten Sachen, in denen die beiden einfach ihren Herzen folgen und ihr Leben leben. Dabei ist Paula eigentlich jemand, der eher schüchtern ist, einem festgelegtem Plan folgt, nicht ihre Träume auslebt, kaum rumkommt und immer alles organisiert braucht. Lewis hingegen lebt sein Leben, er findet, man muss ich auch einfach mal gehen lassen und darf nicht immer alles fest vorausplanen. Paula war mir dabei auch wegen ihrer Liebe zu Büchern und Lewis wegen seiner Liebe zur Musik sehr sympathisch. Lewis schafft es, Paula endlich mal zu zeigen, was es heißt für sich einzustehen und einfach mal seinem Herzen zu folgen.

 

„Musik ist der Herzschlag des Lebens. Es spielt keine Rolle in welcher Form sie vorgetragen wird.“ (S. 104)

 

Die Reise durch Italien hat mich gut unterhalten und mich auf einer rosaroten Wattewolke dahin schweben lassen. Auch das Ende fand ich einfach nur hervorragend sowohl das endgültige als auch das in Italien. Es lässt so viel Spielraum um seine Gedanken einfach noch ein bisschen weiter wandern zu lassen und den Sommer von Paula und Lewis nach den eigenen Vorstellungen weiter gehen zu lassen.

 

Adriana kann definitiv auch Jugendbuch. In den bisherigen Büchern erleben wir das erste Kennen lernen zwar schon, aber nicht das erste Kennen lernen überhaupt. Paula und Lewis erfahren den Zauber der ersten großen Liebe, die wir wahrscheinlich alle niemals vergessen werden und die uns, ob bewusst oder unterbewusst, immer prägt.

 

„Du hast meine Geschichte verändert, Lewis. Wir sind mehr als Namen an einer Wand. Das hast du selbst gesagt. Wir schreiben eine Geschichte. Unsere Geschichte.“ (S. 185)

 

Fazit

 

Adriana konnte mich auch mit ihrem ersten Jugendbuch vollkommen überzeugen. Ich hoffe sehr, noch mehr von Paula und Lewis zu lesen und vermisse die beiden jetzt schon. Auch hier schaffte sie es wieder, mich Träumen zu lassen und mir ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern. Gemeinsam mit den beiden liebenswerten, authentischen Protagonisten hat sie mich auf einen abenteuerlichen und unvergesslichen Tripp durch Italien mitgenommen und diesen Zauber der ersten großen Liebe spüren lassen. Ein Must-Read für diesen Sommer.

Ein wundervolles Buch

Die Widerspenstigkeit des Glücks: Roman (German Edition) - Gabrielle Zevin, Renate Orth-Guttmann

A.J. Fikry ist ein unglücklicher Mensch – obwohl er auf einer wundervollen Insel und umgeben von seinen tausenden Büchern lebt. Bis er einen ungebetenen Gast entdeckt – Die zweijährige Maya ist Waise und wurde in seiner Buchhandlung ausgesetzt. Gegen seinen Willen nimmt er die kleine Maya auf und sein Leben wird völlig auf den Kopf gestellt. Und dann ist da noch Amelia, eine Verlagsvertreterin, die er nicht so einfach vergessen kann.

 

Meinung

 

Schreibstil

 

„Mein Leben steht in diesen Büchern, möchte er ihr sagen. Lies sie, dann kennst du mein Herz.“ (S. 272)

 

Ich liebe, liebe, liebe den Schreibstil von Gabrielle Zevin. Wie sie es schafft so schlicht aber dennoch berührend zu schreiben. Wie sie als Beobachter das Leben von A.J. erzählt und zwischendurch und sogar in die dreijährige Maya versetzt. Einfach wundervoll und bewegend und dennoch klar und nicht überfrachtet. Auf jeder einzelnen Seite, in jedem einzelnen Wort, strahlt zudem die Liebe zu Büchern und Literatur heraus. Einfach, ach, ein Traum.

 

Charaktere und Geschichte

 

„Offenbar bin ich jetzt, in mittleren Jahren, zum Softie geworden. Aber mein späteres Verhalten zeigt auch, dass es wichtig ist, bestimmten Erzählungen in genau dem richtigen Lebensalter zu begegnen.“ (S. 55)

 

Es gibt so Bücher, die liest man und wird sie niemals wieder vergessen. Bücher, die zwar klar und einfach ohne große emotionale Ausschmückungen geschrieben sind und dennoch unter die Haut gehen. Gabrielle Zevi hat mit „Die Widerspenstigkeit des Glücks“ genau so ein Buch geschrieben. Dabei kriecht es einem nur langsam und kontinuierlich unter die Haut, nimmt uns zwischenzeitlich auch auf eine sehr unterhaltsame Reise mit, hinterlässt uns dann aber mit einem leicht melancholischen, aber zufriedenen Gefühl.

 

Fikry ist ein sehr verschrobener Mensch. Als wir ihn kennenlernen ist er unglücklich, lebt alleine über seiner Buchhandlung, trinkt gerne mal zu viel und igelt sich ein. Doch Maya, ein Waisenkind, dass in seiner Buchhandlung abgebend wird und Amelia, eine Verlagsvertreterin werden über die nächsten Jahre hinweg sein Leben ändern.

 

„Das ärgerliche aber ist, dass dir, wenn dir erst mal eine Sache am Herzen liegt, im Laufe der Zeit alles wieder wichtig wird.“ (S. 92)

 

Gegen seinen Willen zeiht er die kleine Maya auf und macht aus ihr einen fast ebenso verschrobenen, aber genauso liebenswerten Büchernerd, wie er selbst einer ist. Alle drei passen so wundervoll zu einander, sie sind nicht perfekt, sie führen keine romantische, bewegend Beziehung, aber eine reale, reine, die tief unter die Haut geht. Trotz so weniger Worte lernen wir viele besonderer Charaktere kennen, die authentisch und facettenreich sind und alle auf ihre Weise bezaubern.

 

Die Geschichte selbst ist sehr ruhig, mit wenig Tempo, wenig Tamtam und genau das macht sie so wundervoll klar. Die Literatur, dieses unglaubliche Gefühl, dass man bekommt, wenn man sich mit Büchern umgibt, über Bücher redet und diese Liebe, die manch einer für Bücher empfindet, umfängt uns vom ersten Satz an und lässt uns bis zum letzten Wort nicht mehr los.

 

Fazit

 

Gabrielle Zevin hat mit „Die Widerspenstigkeit des Glücks“ ein so wundervolles Werk erschaffen. Es ist kühl, schlicht und mit wenig Tempo. Dennoch kriecht es einem unter die Haut, unterhält und berührt und hinterließ mich fröhlich und melancholisch zugleich. Ein Buch, dass ich nicht vergessen werden und jedem empfehlen kann. Vor allem jedem, der Bücher so sehr liebt wie ich und das leben eines leicht verschrobenen Buchhändlers, der seine Päckchen zu tragen hat, kennen lernen will.

Ein unvergesslichers Buch voller Geschwisterliebe

Die andere Seite des Himmels - Jeannette Walls

Die beiden Schwestern Bean, 12 Jahre, und ihre ältere Schwester Liz, sind oft auf sich alleine gestellt. Doch das stört sie nicht, denn sie können gut auf sich aufpassen. Ihre Mutter hat in ihrem Leben nur Platz für ihre Träume, nur wenig für ihre Töchter. Deshalb wundern sich Bean und Liz nicht, als sie nach einem Streit die Flucht ergreift. Dass sie allerdings wochenlang verschwindet, ist neu. Die beiden schlagen sich quer durch Amerika von Kalifornien bis nach Virginia um bei ihrem Onkel unter zu kommen. Endlich lernen die beiden ihre Familie kennen. Doch gerade als sie sich wie zu Hause fühlen, taucht ihre Mutter wieder auf…

 

Meinung

 

Schreibstil

 

Ich kann zwar nicht genau beschreiben warum, aber der Schreibstil von Jeanette Walls hat mich einfach vom ersten Satz an komplett gefangen, quasi magisch angezogen. Ich kann wirklich nur ganz schwer erklären warum. Die Geschichte wird uns von Bean erzählt, zum Teil so sachlich, nüchtern und realistisch. Walls hat es geschafft, diese Sachlichkeit und Nüchternheit dennoch authentisch für eine recht selbstbewusste, aber trotzdem kindliche 12jährige zu schreiben. Ich glaube, dass ist, was mich so fasziniert.

 

Charaktere und Geschichte

 

„Sie hatte mich gerettet. So eine Schwester war Liz. Und deshalb machte ich mir an dem Abend, als das ganze Chaos anfing, auch keine Sorgen, dass Mom seit vier Tagen weg war.“ (S. 10)

 

Bean und Liz sind zwei so wundervolle, authentische und liebenswerte Charaktere. Die Geschwisterliebe und der Zusammenhalt strahlt aus jedem Satz heraus. Gemeinsam trotzen sie der Umwelt, schlagen sich durch, auch wenn ihre Mutter sie wieder im Stich lässt. Zusammen fahren sie mit dem Bus nach Bayler, als ihre Mutter mehr als zwei Wochen verschwindet und langsam das Jugendamt aufmerksam wird. Liz weiß noch, das dort ihr Onkel Tinsley wohnt. Dieser wirkt anfangs etwas verschroben und weiß nicht recht, wie er damit umgehen soll, dass die beiden vor seiner Tür stehen. Schnell merkt man aber, wie liebenswürdig er eigentlich ist und wie schwer er es in seinem Leben bisher so hatte. Da verzeiht man ihm auch seine Verschrobenheiten. Allgemein sind sämtliche Charaktere, egal ob die liebenswerten oder die bösen, sehr realitätsnah gezeichnet. Obwohl ihre Mutter die Mädchen oft im Stich lässt, so kann man sie dennoch nicht hassen, denn schnell merken wir, was sie selber alles mitgemacht hat und das sie psychisch viele Probleme mit sich trägt.

 

Wir erleben nicht nur, wie sich die beiden durchschlagen und wie sie eine nicht gerade einfache Kindheit meistern. Sondern werden ebenfalls mit schweren Themen wie dem löchrigen Rechtssystem der damaligen Zeit, der Rassentrennung und dem Vietnam-Krieg konfrontiert. Denn die Geschichte spielt in den 70er Jahren. Das machte die Geschichte aber keinesfalls langweilig oder überfrachtet sondern hat sie zu etwas ganz Besonderem gemacht. Wells schafft es die Kindheitsgeschichte zweier unzertrennlicher, herzensguter Schwester geschickt mit den damaligen Verhältnissen in einer typischen Kleinstadt der Südstaaten zu verweben und einen fesselnde Geschichte zu erschaffen.

 

Fazit

 

Jeanette Walls konnte mich in allen Punkten überzeugen. Mit ihrem nüchternen, sachlichen Schreibstil der dennoch das kindliche der 12jährigen Bean, die die Geschichte erzählt, widerspiegelt, hat sie mich gefangen. Sie schafft es die Problematiken einer Kleinstadt der Südstaaten in den 70er Jahre mit löchrigem Rechtssystem, Rassentrennung und den Meinungen zum Vietnam-Krieg mit einer berührenden Kindheitsgeschichte zweier liebenswerter und herzensguter Mädchen zu verweben.

Gutes Thema, schwache Umsetzung

#Skandal - Sarah Ockler, Katrin Weingran

Man nehmen ein paar nackte Jungs mit Elfenflügeln und verbotene Küsse und erhält einen handfesten Party-Skandal. Luciy willigt ein, anstelle ihrer besten Freundin zum Abschlussball zu gehen und sie weiß jetzt schon, das es anstrengend wird. Denn sie muss mit Cole dorthin, Ellies Freund und ihr geheimer Schwarm seit Jahren. Und es passiert – Lucy und Cole küssen sich. Aber bevor Lucy mit Ellie sprechen kann, tauchen Beweisfotos auf ihrer Facebook-Chronik auf, neben zahlreichen anderen. Ein Shitstorm bricht über sie herein. Wer steckt hinter dieser Intrige und wie soll Lucy da nur wieder heraus kommen?

 

Meinung

 

Schreibstil

 

Der Schreibstil war zwar literarisch nicht bewegend, aber das erwartet man bei einem solchen Buch auch nicht. Er war sehr jugendlich, mit viel Umgangssprache, zynisch, gespickt mit humorvollen Details und langen, aber amüsanten Schachtelsätzen. Er war sehr authentisch und frech. Die Kapitelüberschriften zeigen schon was einen erwartet und zwischenrein lockeren Facebookposts und ähnliches immer wieder die Geschichte auf.

 

Charaktere und Geschichte

 

Die Protagonisten sind alle eher wie aus einem typisch, amerikanischen Teeniefilm, aber dennoch passend zum Buch. Einige waren ordentlich durchgeknallt, keine typischen Stereotype. Andere hingegen sehr klischeehaft und oberflächlich. Lucy, unsere Hauptperson war für mich erst sehr sympathisch und etwas schräg. Sie nennt ihren Hund „Night of the Living Dog“ und liebt es Zombieshooter zu spielen. Gegen Ende haben sich ihre Gedanken in eine Richtung entwickelt, die ich einfach nur schrecklich fand, sehr kindisch und hätte sich damit fast auf ein Niveau mit den anderen begeben. Nebenfiguren wie die Rektorin Zeff oder die Jungs und Mädels von Teuveel haben mir da besser gefallen, sie haben alle etwas eigenes in die Geschichte gebracht. Cole und ihre Schwester Jayla konnte ich am Anfang nicht wirklich leiden, sie konnten mich beide gegen Ende aber noch für sich gewinnen.

 

Leider konnte mich die Beziehung zwischen den einzelnen Figuren und die Umsetzung der gesamten Geschichte nicht ganz überzeugen. Mich hatte diese Beziehung zwischen Lucy und Cole und zwischen Lucy und Ellie nicht berührt oder groß mitgenommen. Da fehlte das Gefühl, die Herzklopf-Momente. Bei Ellie und Lucy hätte mehr Hintergrundwissen da sein müssen, mehr Einblick in die Vergangenheit, so kam mir der Bruch nicht schlimm vor und zugleich auch nicht konsequent genug. Die „Ermittlungen“ um die Intrigantin zu finden, die die Fotos in Lucys Account gepostet hat, waren zu lang und nicht wirklich spannend.

 

Das Thema selbst, Cybermobbing und die Gefahren, die mit der Anonymität im Internet einhergehen, ist hochaktuell und gut gewählt. Durch den eher Teeniefilm-mäßigen Charakter und die etwas planlose, oberflächliche Umsetzung konnte das Buch bei mir jedoch nicht ganz den lehrhaften Charakter, den es wahrscheinlich ausdrücken will, rüberbringen. Immer wieder konnte ich das Handeln oder auch Nicht-Handeln einiger Protagonisten nicht verstehen. Es fühlte sich des öfteren so an, als ob Sarah Ockler nicht genau wusste, wo sie hin möchte und wie sich das ganze entwickeln soll.

 

Fazit

 

Insgesamt kann ich #Skandal nur durchschnittlich bewerten. Es hatte einige positive Punkte und Momente, wie einige Figuren, der Schreibstil und die verrückten, kleinen Details. Auch das Thema ist gut gewählt und brisant. Aber die Umsetzung konnte mich dann nicht ganz überzeugen. Es fehlte an Klarheit, Struktur und der Tiefe und dem Ernst, die das Thema Cybermobbing verdient hätte.

Die Suche nach der Vergangenheit

Wer ist Mr Satoshi?: Roman - Jonathan Lee, Cornelia Holfelder-von der Tann

„Dieses Päckchen ist für Mr. Satoshi. Wenn wir seine Adresse heraufinden.“ (Vom Klappentext des Buches)

 

Das sind die letzten Worte, die Foss’ Mutter sagte, während sie liebevoll einen alten, abgenutzten Schuhkarton tätschelt. Deshalb entschließt der Panikattacken heimgesuchte Fotograf, den rätselhaften Mr. Satoshi zu finden. Die Reise führt ihn in die schrille Welt Japans. Dabei entdeckt Foss, das die Vergangenheit seiner Mutter ein einschneidendes Ereignis im Jahr 1946 hatte. Bei seiner Suche wir er von der pinkhaarigen Chiyoko unterstütz.

 

Meinung

 

Schreibstil

 

Der Schreibstil von Jonathan Lee ist mitreißend und packend. Er hat etwas ganz Besonders an sich, dass man nicht jeden Tag liest. Der Schreibstil hat selbst eine etwas langwierige Passage für mich einigermaßen wett gemacht. Die Geschichte wird uns aus der Sicht von Foss erzählt, was uns tief in seine Gefühlswelt eintauchen lässt.

 

„Um mich und über mir ein Getümmel von Schatten, Absätze wie zwölf Zentimeter lange Dolche, von hinten angestrahlte Hände, ein gelbes Rund an einem wässrig grauen Himmel, Neonsymbole flimmernd wie Sterne.“ (S. 110)

 

Charaktere und Geschichte

 

Rob, von allen Foss genannt, ist 41 Jahre alt und versteckt sich vor der Welt. Er ist ein erfolgreicher und berühmter Fotograf, macht aber keine aktuellen Fotos mehr. Seit einem einschneidenden Erlebnis vor einigen Jahren wird er von Panikattacken heimgesucht, ist depressiv und tablettensüchtig. Er verlässt seine Wohnung nur, um seine demente Mutter zu besuchen. Bei seinem letzten Besuch stirbt sie. Die letzten Worte, die sie an ihn richtet, beziehen sich auf ein altes Päckchen, das unbedingt an einen Mr Satoshi gehen soll, aber die Adresse wird wohl nicht mehr stimmen. Foss nimmt das Päckchen an sich und die Sache lässt ihn nicht mehr los.

 

„In dem Moment wusste ich es noch nicht, aber der Staub war nur der Anfang all dessen, was durch meine Einmischung in der Welt meiner Mutter aufgewirbelt würde; bald schon würde nichts mehr an seinem Platz sein, nichts mehr so, wie es gewesen war.“ (S. 25-26)

 

Die Suche nach Mr Satoshi führt ihn nach Japan wo er auf die lebhafte und etwas aufgedrehte Chiyoko trifft, die selber ihr eigenes Päckchen zu tragen hat. Sie hilft ihm, sich in dem Land zu orientieren und bei seiner Suche. Doch Foss ahnt noch nicht, was er entdecken wird. Beide Charaktere mochte ich sehr. Sie waren zwar vielleicht nicht unbedingt wahnsinnige Sympathieträger, aber sie waren authentisch und facettenreich, wie aus dem echten Leben. Ich konnte mit beiden mitfühlen und mitleiden, denn sie haben es nicht leicht.

 

Die Geschichte beginnt sehr vielversprechend, der Schreibstil packte mich und ich wurde direkt in die Geschichte geworden. Wir lernen Foss kennen, der sein Einsiedlerdasein fristet, ständige von Panikattacken heimgesucht wird und tablettensüchtig ist. Die Suche fängt an, ihn aus seinem Schneckenhaus zu locken. Mit jedem Tag, fängt er ein bisschen mehr an zu Leben. Die Geheimnisse, die er aufdeckt, zeigen ihm, was im leben wichtig ist und dass man einen Menschen nie zu 100 Prozent kennen kann. Leider hat die Suche zwischenzeitlich zu lange stagniert, es ist nichts passiert, keine neunen Entwicklungen oder Geschehnisse. Das hat die Geschichte etwas gedämpft.

 

Fazit

 

Wer ist Mr Satoshi ist ein sprachlich sehr gelungener Roman. Die Schreibstil war etwas Besonderes und hat das Buch für mich zu etwas Speziellem gemacht. Die Suche nach Mr Satoshi zeigt Foss, wie es ist zu Leben, aber auch, dass man nie sicher sein kann, jemanden richtig zu kennen. Eine Geschichte über das Leben, Verluste und Trauer und das es wichtig ist, diese zu bewältigen. Leider stagnierte die Geschichte zwischendurch etwas, weshalb ich nur vier von fünf Sternen geben kann.

Ein unvergesslicher Road-Trip

Amy on the summer road - Morgan Matson, Franka Reinhart

Amy hat sich nach dem Tod ihres Vaters vollkommen zurückgezogen. Und als ob ihr Leben nicht schon schlimm genug wäre, kommt ihre Mutter noch mit der Nachricht des bevorstehenden Umzugs. Von Kalifornien will sie nach Connecticut, um einen Neuanfang zu starten. Amy soll nachkommen..mit einem wildfremden Jungen, der das Auto fahren soll. Amy hat keine Lust darauf und ist verzweifelt, bis sie Roger sieht. Der irgendwie süß und sympathisch ist. Beide verstehen sich und sind sich schnell einig, das die Strecke, die Amy’s Mutter ausgesucht hat, viel zu langweilig ist. So begeben sie sich auf einen kleinen Abstecher, der zur Tour kreuz und quer durch Amerika wird.

 

Es gab gar nicht so viele Tränen, wie ich weinen wollte. Meine Stimme war zu schwach zum schreien.“ (S. 293 von 714 meine Ebook-Einstellungen)

 

Meinung

 

Schreibstil

 

Morgan Matson schreibt sehr einfach und schlicht. Als Leser sollte man nicht mit der Erwartung eines herausragenden und einzigartigen Schreibstils an das Buch gehen. Dennoch konnte sie mich von der ersten Seite an verzaubern. Die Geschichte ist aus der Sicht von Amy erzählt, dementsprechend passt der Schreibstil zu Hunderprozent. Er hat etwas sehr jugendliches und bringt die Gefühle und Gedanken von Amy sehr gut rüber. Trotz der Schlichtheit schafft Morgan Matson es, durch ihre Beschreibungen der Landschaften zu beeindrucken. Sie schaffte es das Buch emotional und dennoch humorvoll zu gestalten.

 

Es war so viel mehr als nur ein ‚Fehlen‘. Es war Warten, ein ständiges Warten auf den Telefonanruf, der nie kam. Das Warten darauf, eine Stimme zu hören, die ich nie, nie wieder hören würde.“ (S. 626 von 714 meine Ebook-Einstellungen)

 

Charaktere und Geschichte

 

Amy hat erst vor knapp drei Monaten ihren Vater verloren. Ihr Leben ist damit komplett aus den Fugen geraten. Ihr Bruder hatte schon seit Monaten Schwierigkeiten und verarbeitet das Ganze in der Entzugsklinik. Ihre Mutter ist bereits seit einem Monat in Connecticut. Amy soll nun mit dem Auto nachkommen. Doch Amy kann seit dem Unfall nicht mehr fahren. Deshalb hat ihre Mutter Roger, den Sohn einer alten Bekannten gebeten, Amy nach Connecticut zu bringen. Denn der muss eh nach Philadelphia, was nicht all zu weit weg ist. Amy hat absolut keine Lust darauf und schon gar nicht will sie aus Raven Rocks in Kalifornien weg oder vier Tage lang mit einem Typen verbringen. Denn sie hat sich komplett in sich zurückgezogen, hat keinen Kontakt mehr zu irgendjemanden und sich an ihre Einsamkeit gewöhnt. Doch als Roger vor der Tür steht, merkt sie schnell, dass die beiden auf einer Wellenlänge sind. Gemeinsam beschließen sie, die vorbereitete Route ihrer Mutter zu ignorieren. Sie machen lieber einen kleinen Abstecher, der sich immer weiter ausdehnt.

 

Die Story ist zwar an sich nicht so wahnsinnig überraschend und spannend, aber Morgan Matson überzeugt mit viel Feinheiten und Gefühl und diesen zwei wundervollen Protagonisten Amy und Roger. Beide habe ich in mein Herz geschlossen und vermisse sie jetzt schon. Amy ist zu Beginn noch sehr vorsichtig, verschlossen, hat Angst, laut auszusprechen, dass ihr Vater gestorben ist. Sie verschließt sich vor der Außenwelt. Doch mit jeder Meile, die Roger und Amy zurück legen, beginnt sie ein Stück der alten Amy zu finden. Nach und nach schafft es Roger und der Road Trip, Amy lockerer werden zu lassen, und mit jeder Meile kann sie sich mehr öffnen bis sie anfängt, die Geschehnisse zu verarbeiten. Diese Entwicklung ist trotz der Schlichtheit unglaublich bewegend und ich habe mit Amy mitgelitten.

 

„[…] und jemand schrie und hörte nicht mehr auf. Erst als der Rettungswagen kam und ein Sanitäter mich aus dem Auto zog und mich fest an den Schultern packte und schüttelte, mekrte ich, dass ich das war.“ (S. 651 von 714 meine Ebook-Einstellungen)

 

Gleichzeitig ist die Geschichte aber auch sehr unterhaltsam, humorvoll und begeisterte mich durch diesen epischen Road Trip. Gemeinsam mit den beiden entdecken wir Amerika. Dabei erfahren wir allerlei Kurioses und Interessantes zu den einzelnen Staaten, die sie besuchen. Der Trip ist immer wieder durch einzigartige Aufenthalte an den verschiedensten Orten der USA unterbrochen, die nie langweilig werden. Ganz besonders schön sind die Unterbrechungen der Geschichte durch Einträgen in ein Reisejournal mit Eintrittskarten, Kassenbons und Fotos, die den Road Trip der beiden dokumentieren. Zu jedem Staat schreibt Amy einen kleine Zusammenfassung und wir bekommen vor jeder neuen Station einen Einblick in die Playlisten des Trips.

 

Neben Roger und Amy kamen auch einige tolle Nebencharaktere vor, die allesamt ihren eigenen Charme in die Geschichte brachten. Fast jeden einzelnen von ihnen konnte ich ebenfalls in mein Herz schließen. An Amy und Roger kam aber nur noch Amy’s Dad heran. In verschiedensten Rückblicken konnten wir erfahren, was für ein wundervoller Vater und Ehemann er war, was Amy’s Verlust gleich noch tragischer werden lies.

 

Fazit

 

Morgan Matson hat mit Amy on The Summer Road ein Buch geschrieben, das sich tief in mein Herz gebrannt hat. Trotz des relativ schlichten und einfachen Schreibstils konnte sie viel Gefühl transportieren. Die Aufmachung des Buches, Amy und Roger und dieser unvergessliche Road Trip, der uns zeigt, dass das Leben weiter gehen muss, es lebenswert ist und man Gefühle nicht verstecken kann, verdienen volle fünf Sterne.

Ein überzeugendes Debüt

Die Glücklichen: Roman - Kristine Bilkau

Isabell und Georg sind ein glückliches paar. Sie ist Cellistin und er arbeitet als Journalist in einer Redaktion. Gemeinsam schauen sich sich abends beim Spazieren gehen gerne die Wohnungen Fremder an. Sie sehen lauter Dinge, die ihnen ein wohliges Gefühl geben – riesige Bücherregale, stilvolle Lampen oder bunte Kinderzimmer. Doch das Gefühl verliert sich bald.

 

Meinung

 

Schreibstil

 

Kristine Bilkau schreibt sehr distanziert, kühl und sachlich. Ganz ohne großes Tamtam, ohne Ausschweifungen, Verschönigungen oder viel Emotion. Und doch ist genau das der Zauber dieses Buches, auch wenn ich mich erst einmal daran gewöhnen musste. Gleichzeitig schafft sie es dennoch, die Gefühle und Gedanken von Isabella und Georg zu transportieren, sodass die stetig wachsende Verzweiflung, der Druck und die Hoffnungslosigkeit auch mich als Leser erreichten.

 

Geschichte  und Charaktere

 

Sie verachtet seine Vernunft und nimmt ihm seinen Mangel an Eitelkeit übel. Eine gewisse Eitelkeit, die verhindert, dass sie sich den miesen Umständen vorauseilend anpassen, dass sie eins werden mit den miesen Umständen, dass sie diese Umstände eigentlich erst heraufbeschwören. (S. 224)

 

Isabell ist Cellistin und versucht nach der Geburt ihres Sohnes Matti wieder Fuß zu fassen. Doch am Abend im Orchestergraben zittern ihre Hände. Sie versucht es zu verdrängen, nicht auszusprechen, in der Hoffnung, dass das Zittern so verschwindet, nicht real, nicht stärker wird. Sie zieht sich zurück, spricht nicht darüber. Gleichzeitig vermehren sich die Gerüchte, der Verlag würde die Zeitung, für die Georg arbeitet, verkaufen. Was mit Kürzungen und Entlassungen einhergeht. Der Traum der beiden, diese sichere, gefestigte Existenz in ihrer Altbauwohnung in der Isabella schon ihr halbes Leben wohnt, und ihr kompletter Lebensstil steht auf der Kippe. Bis auch noch das Gerüst vor der Tür steht und irgendwann ein Kronleuchter von der Decke im Treppenhaus baumelt und der Briefkasten eine Mieterhöhung ausspuckt. Während Isabell sich zurück zieht, wird Georg zum Rechner. Jeder Cent muss überlegt sein, statt Bio gibt es Discounter-Ware, eine neue Perspektive muss her, die sogar nicht zu den beiden passen will. Isabella hingegen versucht so weiter zu machen wie bisher, nur nicht wahrhaben, was passiert, nur alles auskosten, solange es noch geht. Immer mehr gelangen die beiden in diesen Strudel aus dem es immer schwerer wird, wieder herauszukommen.

 

Ich frage mich, wie lange es hier so weitergehen kann. Ich fühle mich wie unter Wasser. Ich tauche, ich halte die Luft an, eine Weile wird es noch gehen, aber ich weiß, lange halte ich es nicht mehr durch. (S. 195)

 

Kristine Bilkau konnte mich mit „Die Glücklichen“ trotz kurzer Eingewöhnungsphase, vollkommen überzeugen. Isabella und Georg waren hervorragend herausgearbeitet. Sie und ihre Lebenssituation waren klar und so unfassbar realitätsnah, dass man meinen könnte, man steckt selbst in der Geschichte. Was vor allem auch daran liegt, dass Kristine Bilkau ein Thema anspricht, dass uns alle in irgendeiner Weise beschäftigt und treffen kann. Eine Geschichte, wie sie jedem passieren kann, eine Geschichte von nebenan. Eine Geschichte, die mich berührte und mir noch Tage danach im Gedächtnis ist und mich aufwühlt. Trotz des klaren Schreibstil hat sie einiges zwischen den Zeilen versteckt. Als Leser muss man nur aufmerksam genug den Zeilen folgen und man wird mit vielen Erkenntnissen bereichert aus dem Buch wieder auftauchen.

 

Fazit

 

Kristine Bilkau hat einen klaren, sachlichen und dennoch emotionalen und berührenden Romanen geschrieben. Wahrheit, Realität, Hoffnung, Verzweiflung und ein Hauch Melancholie reihen sich aneinander ohne große Ausschweifungen ohne zu Überladen zu wirken. Eine starke, realitätsnahe Geschichte mit ebensolchen Charakteren die mich noch lange bewegen wird.

Chaotisch, humorvoll mit einem Hauch Ms Marpel

Die tödliche Tugend der Madame Blandel: Roman - Marie Pellissier

des Vosges in Paris. Bis eines Tages die Leiche der kaltherzigen Vanessa Blandel aus der Seine geborgen wird. Lucie befürchtet das Schlimmste – beim Aufräumen hat sie in der Wohnung der Blandels Spuren verwischt und bestimmt wird Kommissar Legrand sie jetzt für die Täterin halten. Sie muss unbedingt vor der Polizei herausfinden, wer Vanessa getötet hat.

 

Meinung

 

Schreibstil

 

Marie Pellissier schreibt wundervoll locker und leicht, mit viel Pariser Charme und Humor. Sie schafft einen Kriminalroman, der unterhaltsam und lustig als auch skurril ist. Besonders überzeugt haben mich die Dialoge und die malerische Beschreibung von Paris.

 

Charaktere und Geschichte

 

Lucie ist seit mehr als 40 Jahren die Hausdame des Hauses Nr. 3 am Place des Vosges in Paris. Neben ihren eigentlichen Aufgaben hat sie immer auch ein offenes Ohr, tröstende Worte oder ein Pflaster für die Hausbewohner. Sie ist die gute Seele des Hauses und wird von allen, bis auf Vanessa Blandel, geliebt. Vanessa Blandel ist erst vor etwa einem Jahr in die Wohnung ihrer Schwiegermutter eingezogen und hat viele Feinde aber auch Liebhaber. Eines Tages bringt Lucie einen Korb Bügelwäsche in die Wohnung der Blandels und findet ein völlig chaotisches Schlafzimmer vor. Da sie Vanessas Mann, Justinien, schon seit vielen Jahren kennt, musste sie unbedingt Ordnung schaffen, um den Ehebruch zu vertuschen. Doch dann wird Vanessa Blandel kurze Zeit später tot in der Seine gefunden und Lucia befürchtet, dass der Kommissar Legrand sie verdächtigen könnte, weil sie wichtig Spuren vernichtet hat.

 

Eine witzige, chaotische und skurrile Suche nach dem Mörder beginnt. Den Lucie denkt, ihre einzige Möglichkeit, keinen Ärger zu bekommen, ist den Mörder möglichst vor der Polizei zu finden. Dabei verstrickt sie sich immer tiefer in die Geheimnisse rund um die Familie Blandel, treibt den Kommissare Legrand in den Wahnsinn und ermittelt mit dem Witz und Charme der Mrs. Marpel. Es hat riesigen Spaß gemacht, ihr dabei zu folgen und bis zum Schluss mit zu rätseln. Denn es kommen im Laufe der Geschichte immer mehr Verdächtige auf, die ein Motiv haben. Ich war bis zum Schluss auf einer völligen falschen Spur.

 

Marie Pellissier hat einen unterhaltsamen, chaotischen Kriminalroman geschrieben, der auch viel aus dem Leben von Lucie und ihrer ebenso lieben und sympathischen Familie zeigt. Trotzdem ist der Mordfall immer wieder im Fokus und gerät nicht zu sehr in den Hintergrund. Kommissar Legrand war mir zwar nicht sonderlich sympathisch, aber er hat ausgezeichnet als Kontrast zu Lucie gepasst. Ich hoffe, dass es bald noch mehr Geschichten rund um die beiden geben wird.

 

Fazit

 

Marie Pellsissier hat mit ihrem ersten Kriminalroman Die tödliche Tugend der Madame Blandel einen skurillen, chaotischen und humorvollen Krimi erschaffen. Lucie ist der tragende Charakter der Geschichte, sympathisch und liebevoll und erinnerte mich etwas an Ms. Marpel. Der Fall geriet nie zu sehr in den Hintergrund und es blieb bis zum Schluss rätselhaft. Ein gelungenes Kriminaldebüt, ohne viel Blut aber mit viel Charme.

Not quite as good as I'd hoped

Paper Towns by Green, John (2009) Paperback - John Green

Quentin Jacobsen spent his whole childhood loving the magnificent Margo Roth Spiegelman who lives across the street. Some day, a few weeks before their graduation, Margo cracks open a window to climb into his life. She is dressed like a ninja and wants him to come with her to do an ingenious campaign of revenge and Quentin follows. A new day arrives an Q discovers that Margo has now become a mystery. But he soon learns that she left clues and they are only for him. So he tries to connect the dots and to find the true Margo Roth Spiegelman.

 

„The way I figure it, everyone gets a miracle. […] My miracle was this: out of all the houses in all the subdivisions in all of Florida, I ended up living next door to Margo Roth Spiegelman.“ (P. 3)

 

Opintion

 

The Writing

 

I really loved the writing. It was so lifelike, youngish and quirky. Although some of the plotlines are unbelievable but that doesn’t matter because it was fun to read Paper Towns.

„If I had a nervous breakdown every time something awful happened in the world, I’d be crazier than a shithouse rat.“ (P. 6)

 

Story and Characters

 

I like that John Green always writes about characters who are kinda queer and outsiders or really really weird. They are unique and have clear personalitites. I loved all of them, Ben and Q and Radar we’re really funny. Q was a little naiv but I liked the personal journey he undertakes in this book. But Margo was just so self-centered. I liked her at the beginning of the book but I really hated her at the end.

 

Which brings me to the story itself. I hated the end. I thought about it quite a while but I don’t like the end at all. But I can’t tell you why, because I don’t want to spoil. I think you can imagine what I mean, when you read it.

 

But nonetheless I loved Paper towns. Because of the writing, because of the characters and because of most of the story. Quentin loves Margo from ajar. The we’re good friends in their childhood. But their friendship cooled down soon and they live separate and independent lives. Until Margo one night stands at Qs window and persuades him to come with her on a night of revenge. During that night, they reconnect and Q hopes that everything will be different the next day at school.

 

He is right about that but not in the way he hoped for. Margo ran away, which she did lot of times before. But this time, she left clues for Q. And so he starts to follow those clues and to find her. Ben and Radar are more or less at his side to help him. It was a funny, curious story. It tried to be a story with a life lesson but I think that could have been better. The last part and the beginning we’re way better than the middle. This second part dragged a bit for me, it really slowed down a lot. I think there was a bit to much talk and preparation for prom, even though Q hates prom. And the clues became a bit monotonous.

 

„Margo always loved mysteries. An in everything that came afterward, I could never stop thinking that maybe she loved mysteries so much that she became one.“ (P. 8)

 

Conclusion

 

I loved the writing – a typical John Green. Q, Ben and Radar are authentic and funny characters which made me lough a few times. I loved the first part and the last part but the middle dragged on a bit to long. There was just not much happening and it was a bit monotonous. The las part was my favorite and the funniest. But I really hated the end and Margo. But because I became very fond of Q and his friends and I loved the writing Paper Towns still gets three out of five stars.

Ein weiteres tolles Sherlock Abenteuer

Sherlock Holmes und der Ritter von Malta - Franziska Franke

Sherlock Holmes wollte sich auf seinem Rückweg vom Sudan eigentlich nur mit seinem Freund und zeitweiligen Assistenten treffen. Umso erstaunter ist er, als er auf Sizilien seinem alten Bekannten Colonel Hayter begegnet. Der hat sich mittlerweile in La Valetta, der maltesischen Hauptstadt, niedergelassen. Er bittet Holmes, das plötzliche Verschwinden des Kolonialangestellten Peter O’Brian aufzuklären.

 

Meinung

 

Schreibstil

 

Bei meinem ersten Buch von Franziska Franke, Sherlock Holmes und das Ungeheuer von ULmen, viel mir der Einstieg noch etwas schwer. Diesmal war das aber überhaupt nicht der Fall, ich konnte mich direkt in die Ermittlungen von Sherlock und seinem Assistenten David Tristram fallen lassen. Auch dieses Sherlock Abenteuer wird uns wieder von David Tristram geschildert.

 

Charaktere

 

Franziska Franke hat Sherlock Holmes auch dieses mal sehr gut getroffen. Eine tolle, erfrischende Seite des bekannten Meisterdetektivs. Ein Chaot wie immer, typisch britisch, stur und nüchtern. Ich liebe ihn einfach.

 

David Tristram kommt für mich zwar nicht an den altbekannten Dr. Watseon ran. Dennoch mochte ich ihn und hatte Spaß, einen weiteren Sherlock Holmes Fall aus seiner Sicht erleben zu dürfen. Ich mochte auch hier seinen Sinn für Humor und diesen Hauch Sarkasmus, den er in die Geschichte mit hineinbrachte.

 

Geschichte

 

In diesem Buch versucht Sherlock gemeinsam mit seinem Assistenten David Tristram das plötzliche Verschwinden von Peter O’Brain aufzuklären. Doch es bleibt nicht nur bei diesem einen Fall. Im Laufe der Geschehnisse müssen die beiden immer mehr Geschehnisse Aufklären und Fäden und Wirkungen trennen, um Klarheit zu schaffen. Es geht, wie es für Sherlock Holmes typische ist, zunächst sehr wirr zu, er verrät bis zum Schluss nichts, was er sich so denkt und dennoch macht es Spaß bei den Nachforschungen dabei zu sein. Besonders gefallen hat mir die Kulisse. David Tristram und Sherlock nehmen uns mit durch prächtige Kirchen, Festungsanlagen und Paläste im schönen Malta. Zwar war dieser Fall nicht ganz so chaotisch und voller ungewöhnlicher Vorkommnisse wie der letzte, dennoch mangelte es nicht an amüsanten Begebenheiten und interessanten Ermittlungen.

 

Fazit

 

Es hat mir wieder Spaß gemacht, den Sherlock aus Franziska Frankes Feder zu begleiten. Er kommt den Original nach wie vor sehr nah, auch wenn er hier nicht ganz so exzentrisch ist. Mit David Tristram bin ich dieses mal schon viel besser klar gekommen. Ich liebe es, wie er ganz dezent etwas Humor und Sarkasmus einbringt. Die Nachforschungen waren zwar nicht so verworren wie beim letzten mal, dennoch waren interessante Ermittlungen und Vorkommnisse dabei. Punkte konnte Franziska Franke vor allem mit der Kulisse in Malta.

Ein tiefer Einblick in das Leben dieser einzigartigen Frau an der Seite dieses herausragenden Mannes

Good Morning, Mr. Mandela: Nelson Mandelas persönliche Assistentin erzählt - Zelda la Grange, Ute Brammertz

Zelda la Grange war die persönliche Assistentin von Nelson Mandela. Und das fast 20 Jahre lang. Sie ist als junge, weiße Frau geprägt durch die rassistische Politik des südafrikanischen Apartheidregimes aufgewachsen. Zunächst startet sie als Sekretärin für Mandela bis sie schließlich zu seiner engsten Vertrauten wird. Der engsten Vertrauten jenes Mannes, der ihr jahrzehntelang als Feindbild gegolten hat.

„Wir werden ihn in jedem Sonnenuntergang und jedem Sonnenaufgang sehen. Wir müssen weiter nach ihm Ausschau halten. Wenn wir seine Lektionen im Gedächtnis behalten, wird er auf uns achten. […] Was auch immer jetzt kommen mag, ich weiß, wir haben unser Bestes gegeben.“ (S. 467)

Zelda la Garnge, Zeldine, wie sie von Mr. Mandela genannt wird, bereist mit ihm die Welt in politischen Angelegenheiten. Sie war dabei als er sich mit Bill Clinton, Johannes Paul II., Jassir Arafat, Morgan Freeman und vielen weiteren bekannten geschichtlichen, politischen und berühmten Persönlichkeiten trifft. Sie war bis zu seinem Tod rund um die Uhr, jeden Tag der Woche für ihn da, wusste, was seine Wünsche sind, wie er seinen Tag am liebsten hat, was er gern ist und wann es ihm nicht gut ging.

Sie schafft es mit ‚Good Morning, Mr.  Mandela‘ uns tiefgehende, persönliche und sehr bewegende Einblicke in das Leben von Mr. Mandela zu geben, die dennoch im Rahmen sind und keine skandalösen Dinge aufdecken, sondern unterstreichen, was für eine herausragende Persönlichkeit Nelson Mandela war und was er einen Großteil seines Lebens für Südafrika, die Welt, die Menschheit getan hat. Gleichzeitig hat sie uns Einblick in Nelson Mandelas und ihren eigenen erfrischenden, wenn auch eigenwilligen Humor gegeben, was das Buch stellenweise auch sehr unterhaltsam machte. Später wird es ergreifender und etwas bedrückender, als sie uns Einblicke in seine letzten, von Krankheit gezeichneten Jahre gibt.

„Ich werde jedes Lächeln wertschätzen, die schönen, aber auch die schwierigen Zeiten, und besonders die privaten Momente. Tot weersiens Khulu (bis wir uns widersehen, Großvater)!! Ich werde sie jeden Tag lieben, für den Rest meines Lebens.“

Das Buch ist aber ebenso ein Offenlegung ihrer eigenen Gedanken und Gefühle und ganz besonders ihrer tiefgehenden Liebe zu Nelson Mandela, den sie liebevoll Khulu (Großvater) nannte,  für den sie sich aufopferte. Ich kann das Buch jedem empfehlen, der sich für Nelson Mandela interessiert und mehr über diese erstaunlichen Jahre in seinem Leben erfahren will. Ein wundervolles Vermächtnis für einen herausragenden Mann, der einzigartiges geleistet hat.

„Er hat nicht nur mein Leben verändert, sondern Millionen andere. Er hat viel mehr getan, als von einem einzigen Menschen erwartet werden kann, und vielleicht hat er es dafür doch verdient, als Heiliger gepriesen zu werden.“ (S. 10)

Ein Roadtrip mit Schwächen

Das Glück wächst nicht auf Bäumen: Roman - Wendy Wunder, Stefanie Retterbush

Zoe findet, Glück kann man lernen. Auf einem wilden RoadTrip will sie ihrer besten Freundin Hannah zeigen, was das Leben schöner macht. Hannah ist eher schüchtern und fällt ungern auf. Zoe dagegen ist sehr impulsiv und temperamentvoll. Sie liebt es, unmögliche Dinge anzustellen. Die beiden sind seit Jahren die besten Freundinnen und unzertrennlich. Eines Tages verspürt Zoe den Drang, aus der winzigen Heimatstadt in New Jersey zu verschwinden und Hannah zögert nicht, und begleitet sie. Gemeinsam machen sie sich auf und lassen alles von schwierigen Eltern, enttäuschten Lieben bis zu den Collegeplänen, hinter sich. Dabei zeigt Zoe Hannah in kleinen Lektionen, das sie das Leben lockerer nehmen soll und genießen soll. Doch viel Zeit bleibt ihr nicht dafür, den Zoe ist krank und jeder Tag eine Geschenk.

 

Meinung

 

Schreibstil

 

Am Anfang fand ich den Schreibstil erst ganz toll. Er ist auf jeden Fall etwas ganz anderes, total wirr und durcheinander. Das hat dazu geführt, dass ich nach den ersten Kapiteln nur noch verwirrt war, nicht mehr wusste, was jetzt überhaupt geschieht, was wie einzuordnen ist und wo uns das noch hinführt. Später erfahren wir jedoch etwas zu Zoe, durch das der Schreibstil für mich Rückblickend zu 100 Prozent passend ist, ebenso wie die Tatsache, das der Rote Faden fehlt. Zwischendurch habe ich mich dann daran gewöhnt, aber das muss jeder für sich entscheiden, ob er mit dem Stil klar kommen kann oder nicht.

 

Charaktere und Geschichte

 

„Ich weiß das, weil ich es spüre. Manchmal spüre ich, was sie empfindet, so wie sie manchmal meine Gedanken lesen kann. Als wären wir siamesische Zwillinge, die an der Seele zusammengewachsen sind.“ (S. 131)

 

Zoe und Hannah sind seit Jahren dicke Freundinnen und halten immer zueinander. Die Geschichte wird uns aus Sicht von Hannah erzählt, für die niemand wichtiger ist als ihre Freundin und die in ihrem Leben auch viel einstecken muss. Die Details möchte ich nicht nennen, das fände ich schon gespoilert. Zoe ist wild, impulsiv und immer auf Zack, aber sie ist krank. Hannah versucht so gut es geht ihr zu helfen. Was genau Zoe hat und Details zu diesem Teil der Geschichte möchte ich auch nicht nennen, das wäre in meinen Augen ebenfalls schon ein Spoiler. Deswegen fällt es mir recht schwer, für das Buch diese Rezension zu schreiben, aber ich hoffe, es ist für euch doch einigermaßen verständlich.

 

Zoe und Hannah sind abwechslungsreich, äußerst authentisch und gut gezeichnet. Allerdings muss ich sagen, dass ich mit keiner von beiden so richtig warm wurde. Ich fühlte mich nicht, als würde ich das alles mit ihnen erleben, wie es bei richtig guten Büchern der Fall ist, sondern eben nur, als  würde ich etwas über beide lesen. Hannah war mir, vor allem im hinteren Teil der Geschichte viel zu naiv und hat für meinen Geschmack auch grob fahrlässig gehandelt. Sie dackelt Zoe auf dem RaoadTrip nur hinterher, lässt sie lauter unsinniges, verrücktes Zeug anstellen, statt endlich einzugreifen, sie nach Hause zu bringen, damit Zoe die Hilfe bekommt, die sie benötigt, Freundschaft hin oder her. Für mich gehört zu Freundschaft auch dazu, mal etwas zu machen, dass der besten Freundin vielleicht in diesem Moment nicht gefällt und einen Knacks in die Beziehung bringt, das aber langfristig dazu dient, diese Freundin zu retten. Das hat mir wirklich überhaupt nicht zugesagt und war sehr unrealisitsch.

 

Positiv fand ich aber mittlerweile ja den Stil des Buches und diese so unfassbar tiefgehende und auch sehr berührende Freundschaft zwischen Hannah und Zoe. Ein Band, dass nicht so leicht zerbricht. Und auch das Prinzip des Buches, dass Zoe versucht Hannah mit kleinen Lektionen beizubringen, das Leben zu leben und nicht immer nur es allen recht zu machen. Die Umsetzung und die Aktionen fand ich dann zwar zum Teil grenzwertig, dennoch waren tolle Momente dabei.

 

Aber der eigentliche Star des Buches ist für mich Zoe’s kleiner Bruder Noah. Zwar passiert am Ende etwas, dass nicht ganz zu seiner vorherigen Charakterbeschreibung passt, dennoch ist er für mich der beste Charakter. Er ist etwas ganz besonderes und die Art und Weise, wie Zoe mit ihm umgeht und was sie für ihn tut, ist einfach herzergreifend und ach, ich kann es gar nicht richtig in Worte fassen. Das hat dem Buch wieder einen dicken Pluspunkt eingebracht.

 

Das Ende hat mich dann leider etwas enttäuscht. Ich fand es dann zu abrupt und ich hätte mir einfach deutlich mehr Information und Aufklärung gewünscht.

 

Fazit

 

Wendy Wunder hat einen faszinierenden Schreibstil, der mir erst gefiel, dann für Probleme sorgte aber schließlich noch punkten konnte. Die Idee des Buches, mit den Lektionen für Hannah, ist zauberhaft. Die Umsetzung hingegen mangelte für mich und es gibt einige Punkte, die ich einfach unverständlich finde. Das Ende konnte es auch nicht rausreißen. Aber Noah und der Umgang zwischen Noah und Zoe und die tiefe Freundschaft von Hannah und Zoe sorgen, neben dem Stil, für Punkte. Deshalb kann ich Wendy Wunder für dieses Buch drei von fünf Sternen geben.

Eine tolle Idee aber nicht mein Geschmack

Bis ans Ende der Welt und zurück - Ruthie Knox, Antje Althans

Tom wird von seiner Schwester vollkommen überrumpelt, als sie im verkündet, für seine geplante Radtour durch die USA einen Reisegefährten organisiert zu haben. Er ist fest entschlossen, das Ganze abzusagen und fährt zu dem vereinbarten Treffpunkt. Aber er stellt fest, dass die Begleitung nicht wie erwartet ein Mann, sondern eine Frau ist – eine sehr attraktive Frau. Die kann er auf keinen Fall sich selbst überlassen, obwohl ihre aufgeweckte Art ihn in den Wahnsinn treibt. Auch Lexie ist alles anders als angetan von diesem wortkargen Einzelgänger. Dennoch machen sich die beiden gemeinsam auf den Weg.

 

Meinung

 

Schreibstil

 

Die Geschichte wird im Wechsel aus Toms und Lexies Perspektive erzählt. Das fand ich super, so konnte ich jeder Zeit erfahren, was die beiden übereinander Denken und fühlen. Auch sonst fand ich den Schreibstil gut, aber nichts Besonderes. Einfach ein typischer locker, leichter Sommerroman.

 

Charaktere und Geschichte

 

Grundsätzlich fand ich Tom und Lexie beide gut dargestellt, auch wenn ich mit Tom so gar nicht warm werden konnte und mir Lexie manchmal fast etwas auf die Nerven ging. Tom ist eher ein Einzelgänger und lebt sehr zurückgezogen. Er leidet unter seiner Vergangenheit und will mit Frauen nichts mehr zu tun haben. Zumindest will er niemals wieder eine feste Beziehung. Dennoch hat Lexie etwas an sich, und er kann von ihr nicht die Finger lassen. Lexie ist das genaue Gegenteil. Einzig die Liebe zum Fahrradfahren verbindet die beiden. Lexie braucht immer einen Plan, alles muss seine Ordnung haben, Tom liebt das Spontane und lässt sich treiben.

 

Ich mochte die Grundidee der Geschichte sehr. Zwei Fremde, die gemeinsam den TransAm Rail fahren und einen Sommer voller Abenteuer erleben. Allerdings hat mir die Umsetzung nicht so gut gefallen. Ich hatte auf atemberaubende Fahrten, in malerischen Kulissen und lauschigen Abend am Campingfeuer gehofft. Auf eine langsame Entstehung einer Liebe zwischen Lexie und Alex und einfach ein fluffiges Schmetterlinge-im-Bauch-Sommer-Feeling. Für mich stand dann aber die Tatsache, dass sich die beiden den Großteil des Buches über eher als Stücke Fleisch betrachtet haben, die man möglichst oft besteigen sollte, zu stark im Vordergrund. So geriet der Road-Trip und vor allem die Beziehung und Gefühle etwas in den Hintergrund. Ich hatte mehrmals überlegt ob ich doch noch abbreche, weil mir das einfach zu viel war und ich ein bisschen das Road-Trip wir lernen uns langsam Kennen-Feeling gefehlt hat und ich davon etwas enttäuscht wurde. Ich habe es dann aber doch noch durchgezogen und das Ende konnte mich wieder etwas besänftigen.

 

Fazit

 

Ruthie Knox konnte mich mit ihrem Buch leider nicht wirklich überzeugen. Ich hatte mehrfach überlegt, ob ich nicht abbrechen soll, habe es dann aber durchgezogen. Die Idee war sehr schön, die Protagonisten auch ganz gut umgesetzt und auf jeden Fall vielseitig. Mir fehlte aber etwas das romantische, das Sommer-Road-Trip Feeling und das Herzliche. Es war einfach nicht das richtige Buch für mich, ich kann mir aber gut vorstellen, dass andere die Geschichte sehr mögen werden. Ihr sollte euch also eure eigene Meinung bilden, denn es gibt viele positive Meinungen.

Sommer-Sonne-Musik und Unendliche Freundschaft

Open Road Summer - Emery Lord

Reagan hat sich gerade von ihrem Freund getrennt. Sie will endlich ihr Leben in den Griff kriegen. Dieser Sommer soll nun der Sommer ihres Lebens werden. Sie begleitet ihre beste Freundin, den Country-Star Lilah Montgomery auf ihrer ausverkauften Tour durch die USA. Lilah selbst hat Liebeskummer und beide Mädchen besinnen sich auf ihre unendliche Freundschaft. Bis Matt Finch als Opening Act angeheuert wird und nicht nur die Gefühle von Reagan komplett durcheinanderbringt.

 

Meinung

 

„Das Gitarrengezupfe auf der Suche nach den passenden Akkorden, Matts leiser Gesang und Dees heiseres Kichern verschmelzen zu einem Sommer-Soundtrack, den ich, wenn die Tour irgendwann vorbei ist, noch lang in meinem Kopf abspielen werde – in den Momenten, wenn mir glücklich sein mal wieder wie ein Rätsel erscheint, das zu lösen mir nicht vergönnt ist.“ (S. 185)

 

Schreibstil

 

Emery Lord hat einen bezaubernden Schreibstil. Sie lässt die Geschichte aus Reagan’s Perspektive erzählen und hat mich vom ersten Satz an fesseln können. Sie schreibt so spritzig, leicht, sommerlich mit einem Hauch Jugend. Ich flog nur so durch die Seiten, selbst an den Stellen, die ich nicht so gut fand, weil sich die Handlung hier nicht so entwickelte, wie ich hoffte.

 

Charaktere

 

„Ich frage mich, ob ihre Mutter genauso glücklich ist, als sie ihre Tochter so sieht. Genauso glücklich wie Laura Montgomery in diesem Moment. Ich frage mich, ob meine Mutter manchmal an mich denkt“ (S. 34)

 

Die Geschichte wird uns von Reagan erzählt. Sie ist zwar nicht der Charakter, der einem auf anhieb sympathisch ist, aber genau das hat dafür gesorgt, dass ich sie besonders gut fand. Sie ist quasi ein Badgirl, ihre Mutter hat sie früh verlassen, ihr Vater war Alkoholiker, ihre Stiefmutter kann sie nicht leiden. Sie liebte es zu feiern und geriet dadurch öfter in Schwierigkeiten und an die falschen Kerle. Gleichzeitig nimmt sie kein Blatt vor den Mund, sagt, was sie denkt und weiß, was sie will.

 

Dee, ihre beste Freundin, ist der totale Gegensatz zu Reagan. Sie wuchs behütet auf, war eher der Typ schüchtern und ist jetzt ein berühmter Country-Star. Dee ist das typische Mädchen von nebenan, das jede Schwiegermutter mögen würde, lieb und nett. Aber auch sie hatte ihr Päckchen zu tragen und ihr Leben als Star ist absolut nicht leicht. So durften wir auch eine verletzliche, unsichere aber auch starke Seite an ihr kennen lernen. So wirkte sie nicht zu perfekt und dadurch glaubwürdig.

 

Alles in allem waren alle Charaktere sehr authentisch und vielseitig. Jeder hatte seine positiven und negativen Eigenschaften. Matt war mir allerdings etwas zu kitschig und klischeehaft gezeichnet, trotz dass ich ihn mochte. Er war Kinderstar, versucht jetzt ein Comeback, drückt alle seine Gefühle mit Musik aus und ist charmant, nett, sieht gut aus und der Traum aller Mädchen. Das war mir alles etwas zu viel. Aber auch er hat eine andere, verletzliche Seite und bereits viel druchgemacht, weshalb Emery Lord mich dennoch auch für Matt gewinnen konnte.

 

Einzig im hinteren Teil des Buches gefiel mir die Entwicklung von Dee und Reagan manchmal nicht ganz so. Sie haben an manchen Stellen so plötzlich auf einmal eher das Verhalten der anderen an den Tag gelegt. Das wir mir nicht konsequent genug.

 

„Diese Seite von Matt zu sehen, weckt in mir plötzlich den Wunsch, ihm nah zu sein – ich will seine Narben sehen, um herauszufinden, ob er genauso verletzt ist, wie ich es bin.“ (S. 101)

 

Geschichte

 

Mir hatt das Konzept, dass Reagan Dee auf ihrer Tour durch die USA begleitet gut gefallen. Der Großteil des Buches vermittelt auch diese typsiche Road-Trip Atmosphäre und dieses unbeschwerte Sommerfeeling. Der wichtigste Punkt für mich  an der gesamten Geschichte ist die unendliche Freundschaft zwischen Dee und Reagan. Sie sind immer füreinander da. Selbst wenn sie sich mal heftig streiten und richtig fiese Sachen an den Kopf werfen, immer finden sie wieder zueinander. Sie unterstützen sich in guten und schlechten Zeiten und können nicht ohne einander Leben. Die Liebesbeziehung die sich zwischendurch noch mit Matt anbandelt ist für mich eher zweitrangig und auch nicht so sonderlich gut gelöst. Sie war mir am Ende doch zu klischeehaft, ein Abfolge von Ereignissen und Handlungen, wie ich sie schon tausend mal gesehen oder gelesen habe.

 

„Als Dee und ich noch kleiner waren, kam uns die Welt unendlich groß vor – so unermesslich, beängstigend groß, dass wir uns nie allein darin zurechtfinden würden.“ (S. 21)

 

Fazit

 

Open Road Summer ist ein unvergesslicher Road-Trip. Sommerlich, locker, leicht mit viel Musik und Spaß aber auch schwierigen Momenten. Besonders berührt hat mich die tiefe Freundschaft zwischen Reagan und Dee. Die Charaktere waren authentisch und vielseitig. Nur die spätere Entwicklung der Geschichte konnte mich nicht ganz überzeugen. Da aber der Großteil des Buches einfach wunderbar war und mich mitreißen konnte in dieses Sommer, Sonne, Musik-Feeling, gibt es vier wohlverdiente Sterne.