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Sommer-Sonne-Musik und Unendliche Freundschaft

Open Road Summer - Emery Lord

Reagan hat sich gerade von ihrem Freund getrennt. Sie will endlich ihr Leben in den Griff kriegen. Dieser Sommer soll nun der Sommer ihres Lebens werden. Sie begleitet ihre beste Freundin, den Country-Star Lilah Montgomery auf ihrer ausverkauften Tour durch die USA. Lilah selbst hat Liebeskummer und beide Mädchen besinnen sich auf ihre unendliche Freundschaft. Bis Matt Finch als Opening Act angeheuert wird und nicht nur die Gefühle von Reagan komplett durcheinanderbringt.

 

Meinung

 

„Das Gitarrengezupfe auf der Suche nach den passenden Akkorden, Matts leiser Gesang und Dees heiseres Kichern verschmelzen zu einem Sommer-Soundtrack, den ich, wenn die Tour irgendwann vorbei ist, noch lang in meinem Kopf abspielen werde – in den Momenten, wenn mir glücklich sein mal wieder wie ein Rätsel erscheint, das zu lösen mir nicht vergönnt ist.“ (S. 185)

 

Schreibstil

 

Emery Lord hat einen bezaubernden Schreibstil. Sie lässt die Geschichte aus Reagan’s Perspektive erzählen und hat mich vom ersten Satz an fesseln können. Sie schreibt so spritzig, leicht, sommerlich mit einem Hauch Jugend. Ich flog nur so durch die Seiten, selbst an den Stellen, die ich nicht so gut fand, weil sich die Handlung hier nicht so entwickelte, wie ich hoffte.

 

Charaktere

 

„Ich frage mich, ob ihre Mutter genauso glücklich ist, als sie ihre Tochter so sieht. Genauso glücklich wie Laura Montgomery in diesem Moment. Ich frage mich, ob meine Mutter manchmal an mich denkt“ (S. 34)

 

Die Geschichte wird uns von Reagan erzählt. Sie ist zwar nicht der Charakter, der einem auf anhieb sympathisch ist, aber genau das hat dafür gesorgt, dass ich sie besonders gut fand. Sie ist quasi ein Badgirl, ihre Mutter hat sie früh verlassen, ihr Vater war Alkoholiker, ihre Stiefmutter kann sie nicht leiden. Sie liebte es zu feiern und geriet dadurch öfter in Schwierigkeiten und an die falschen Kerle. Gleichzeitig nimmt sie kein Blatt vor den Mund, sagt, was sie denkt und weiß, was sie will.

 

Dee, ihre beste Freundin, ist der totale Gegensatz zu Reagan. Sie wuchs behütet auf, war eher der Typ schüchtern und ist jetzt ein berühmter Country-Star. Dee ist das typische Mädchen von nebenan, das jede Schwiegermutter mögen würde, lieb und nett. Aber auch sie hatte ihr Päckchen zu tragen und ihr Leben als Star ist absolut nicht leicht. So durften wir auch eine verletzliche, unsichere aber auch starke Seite an ihr kennen lernen. So wirkte sie nicht zu perfekt und dadurch glaubwürdig.

 

Alles in allem waren alle Charaktere sehr authentisch und vielseitig. Jeder hatte seine positiven und negativen Eigenschaften. Matt war mir allerdings etwas zu kitschig und klischeehaft gezeichnet, trotz dass ich ihn mochte. Er war Kinderstar, versucht jetzt ein Comeback, drückt alle seine Gefühle mit Musik aus und ist charmant, nett, sieht gut aus und der Traum aller Mädchen. Das war mir alles etwas zu viel. Aber auch er hat eine andere, verletzliche Seite und bereits viel druchgemacht, weshalb Emery Lord mich dennoch auch für Matt gewinnen konnte.

 

Einzig im hinteren Teil des Buches gefiel mir die Entwicklung von Dee und Reagan manchmal nicht ganz so. Sie haben an manchen Stellen so plötzlich auf einmal eher das Verhalten der anderen an den Tag gelegt. Das wir mir nicht konsequent genug.

 

„Diese Seite von Matt zu sehen, weckt in mir plötzlich den Wunsch, ihm nah zu sein – ich will seine Narben sehen, um herauszufinden, ob er genauso verletzt ist, wie ich es bin.“ (S. 101)

 

Geschichte

 

Mir hatt das Konzept, dass Reagan Dee auf ihrer Tour durch die USA begleitet gut gefallen. Der Großteil des Buches vermittelt auch diese typsiche Road-Trip Atmosphäre und dieses unbeschwerte Sommerfeeling. Der wichtigste Punkt für mich  an der gesamten Geschichte ist die unendliche Freundschaft zwischen Dee und Reagan. Sie sind immer füreinander da. Selbst wenn sie sich mal heftig streiten und richtig fiese Sachen an den Kopf werfen, immer finden sie wieder zueinander. Sie unterstützen sich in guten und schlechten Zeiten und können nicht ohne einander Leben. Die Liebesbeziehung die sich zwischendurch noch mit Matt anbandelt ist für mich eher zweitrangig und auch nicht so sonderlich gut gelöst. Sie war mir am Ende doch zu klischeehaft, ein Abfolge von Ereignissen und Handlungen, wie ich sie schon tausend mal gesehen oder gelesen habe.

 

„Als Dee und ich noch kleiner waren, kam uns die Welt unendlich groß vor – so unermesslich, beängstigend groß, dass wir uns nie allein darin zurechtfinden würden.“ (S. 21)

 

Fazit

 

Open Road Summer ist ein unvergesslicher Road-Trip. Sommerlich, locker, leicht mit viel Musik und Spaß aber auch schwierigen Momenten. Besonders berührt hat mich die tiefe Freundschaft zwischen Reagan und Dee. Die Charaktere waren authentisch und vielseitig. Nur die spätere Entwicklung der Geschichte konnte mich nicht ganz überzeugen. Da aber der Großteil des Buches einfach wunderbar war und mich mitreißen konnte in dieses Sommer, Sonne, Musik-Feeling, gibt es vier wohlverdiente Sterne.