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Ich lese gerade

A Game of Thrones: The Story Continues: The complete box set of all 6 books (A Song of Ice and Fire) by Martin, George R. R. (2012)
George R.R. Martin
Meine Frau kommt mit ihrem Mann
Beatrix Petrikowski

Gute Ansätze, wenig Handlung

Der Sog der Schwerkraft - Gae Polisner

Meinung

 

„Damit will ich sagen, sosehr ich auch versuche, das Ganze einzugrenzen, war es vielleicht doch nicht nur eine Sache, die mich zu Jaycee Amato und dem verrücktesten Wochenende meines Lebens geführt hat.“ (S. 13)

 

Schreibstil

 

Der Schreibstil war sehr locker und jugendlich. Das passte perfekt, denn die Geschichte wird uns in diesem Fall von Nick selbst erzählt. Ich konnte mich super schnell in das Buch finden und es hat Spaß gemacht, Nick und Jaycee zu begleiten.

 

Charaktere und Geschichte

 

Nick’s Vater liegt seit Jahren nur noch auf der Couch und wird immer schwerer und schwerer. Bis er eines Tages beschließt, aufzustehen und hunderte von Meilen bis nach New York zu laufen. Nick findet er lässt ihn und die Familie im Stich und weigert sich, seine Mails zu lesen. Und besonders findet er, dass er den Scoot im Stich lässt. Der Scoot ist sein bester Freund und leidet an einer unheilbaren Krankheit, wegen der er jeden Tag sterben könnte. Der Vater von Scoot hat sich früh aus dem Staub gemacht, weil er damit nicht klar kam und Nick’s Vater war eine Art Ersatz. Mitten in dieser turbulenten und schweren Zeit lernt er Jaycee kennen, die etwas eigenwillig und sehr quirlig ist. Sie hat Scoot versprochen, gemeinsam mit Nick seinen Vater zu finden. Gemeinsam machen sich die zwei auf zu einem Trip.

 

Dieser ist für mich aber, wie im Klappentext angekündigt, nicht wirklich ein Road-Tripp. Die zwei fahren fünf Stunden in einem Bus nach Rochester und wieder zurück. Dort übernachten sie zwei Tage und das wars. Es war also eher ein Kurztrip, statt ein Abenteuer auf der Reise quer durch die Staaten. Leider fand ich das ganze auch sehr Handlungsarm, es passiert nicht wirklich viel auf diesen 250 Seiten. Ein abenteuerlicher und das Leben umkrempelnder Road-Trip sucht man leider vergebens.

 

Die Charaktere sind alle etwas blas geblieben. Nick ist ziemlich mit sich selbst beschäftigt, einer der Gründe, warum nur wenig Handlung passiert. Vielleicht ist das aber auch seine Art Schutzmechanismus vor dem Verlassen werden. Jaycee und Scoot bringen dagegen Farbe in das Ganze bleiben aber insgesamt auch blas. Gut gefallen hat mir allerdings, dass alle drei nicht zu diesen typischen, klischeehaften Highschool-Teens gehören, wie man sie sonst oft antrifft. Sondern eher die Aussenseiter sind, aber auch hier ohne das Gae Polisner groß in die Klischee-Kiste gegriffen hat.

 

Gae Polisner hat versucht, viele für die Zeit der Jugend typische und wichtige Themen zu verarbeiten. Wie das Auseinandersetzen mit dem eigenen Körper, die erste Liebe, Verlassen werden und Kennenlernen. Vielleicht war es einfach in allem etwas zu viel und der rote Faden ging dadurch verloren. Gut gefallen haben mir aber die Yoda-Zitate und das die Beiden auf ihrem Trip das Buch Of Mice and Men von John Steinbeck lesen.

 

Fazit

 

Gae Polisner konnte mich lediglich mit dem Schreibstil zu Hundertprozent überzeugen. Die Charaktere waren für mich blas, aber im Grundsatz dennoch gut gelungen. Ganz ohne Klischees. Mir hat es etwas an Handlung und vor allem, am versprochenem Road-Tripp gefehlt. Alles in allem für Erwachsene eher eine nette Lektüre für Zwischendurch. Das Buch ist eines der Jugendbücher, die vermutlich nur diese Zielgruppe genießen und Tieferes daraus ziehen kann. Im Gesamt sind die Ansätze aber gut und deshalb gibt es drei von fünf Sternen.

Ein Buch, das seinem Namen alle Ehre macht

Echt - Christoph Scheuring

Albert fotografiert Tag für Tag am Bahnhof – Umarmungen, Trennungen und Tränen. Albert sammelt Abschiede. Denn Abschiede sind Momente für ihn, in denen die Menschen echter und wahrhaftiger sind als jemals sonst. Bis er eines Tages Kati kennen lernt, die aussieht wie ein Engel aber gleichzeitig abgezockt und verletzlich. Und sie ist gebannt von seinen Bildern, besonders von einem ganz bestimmten. Ein Bild, dass sein Lieblingsbild ist, da auf ihm Schmerz und Glück miteinander verschmelzen. Aber Kati ist überzeugt, das Foto ist eine Lüge. Gemeinsam versuchen sie in den Tiefen des Bahnhofes die Wahrheit zu finden.

 

„Es ist nämlich so, dass ich finde, dass es keinen intensiveren Augenblick gibt als einen Abschied. Also, ich meine, so einen Abschied von einem Menschen, der einem alles bedeutet, und wo sich das Herz schon verklemmt, wenn man nur daran denkt, dass er vielleicht irgendwann nicht mehr da ist.“ (S. 13)

 

Meinung

 

Schreibstil

 

Ich konnte mich vom ersten Wort an in das Buch fallen lassen. Echt macht seinem Namen auch im Schreibstil alle Ehre. Denn die Geschichte wird von Albert erzählt, der 16 Jahre alt ist, und genauso ist der Schreibstil. Locker, leicht und in Umgangssprache sowie sich Jugendlich in diesem Alter eben ausdrücken. Es gab wundervolle und einzigartige Beschreibungen und gleichzeitig hat Christoph Scheuring auch eine kühle, harte Sprache verwoben, die die Situation rund um die Straßenkinder am Hamburger Hauptbahnhof nicht verschönert.

 

Geschichte

 

Albert ist 16 Jahre alt und lebt, abgesehen von der Scheidung seiner Eltern, behütet in Hamburg auf. Seine Mutter lebt in einer anderen Stadt und sein Vater ist in seine mathematischen Berechnungen vertieft und nimmt nicht all zu viel Notiz von Albert. Bisher ist das auch gut gegangen und er hatte noch nie Schwierigkeiten. Darüber, dass sein eigenartiges Hobby ihn vielleicht mal in Schwierigkeiten bringt, hatte er auch noch nie nachgedacht.

 

Den Albert fotografiert gerne. Und zwar Abschiede am Hauptbahnhof in Hamburg. Er verbringt Tag für Tag auf den Gleisen und beobachtet wie Menschen, die sich lieben, voneinander Abschied nehmen. Das ganze hält er auf Fotos fest.

 

Eines Tages trifft er dort auf Kati. Schnell kommen die beiden ins Gespräche und er ist vom ersten Moment an von ihr fasziniert und verliebt sich in sie.

 

„Eigentlich war ihr Gesicht wie ein See bei einem Sturm, der voller Wellen war, und dann wurde er plötzlich spiegelglatt, und das Wasser war ganz klar, sodass man bis runter zum Grund sehen konnte, und dort war dann alles algenmäßig überwachsen von Trauer.“ (S. 24)

 

Sie ist auch die erste, der er freiwillig seine Fotos zeigt. Bei seinem Lieblingsfoto reagiert sie jedoch ganz anders, als gedacht. Irgendwie schockiert und erstarrt. Sie ist der festen Überzeugung, dass das Bild eine Lüge ist. Gemeinsam starten sie also, die Wahrheit hinter dem Foto aufzudecken. Dabei verliert sich Albert immer mehr in die Welt der Straßenkinder und drogenabhängigen Jugendlichen am Bahnhof. Kati ist unberechenbar, haut immer wieder ab und er sucht sie jeden Tag, in der Hoffnung sie am Bahnhof wieder zu finden. Sie kommt und geht, wie es ihr passt, verabreden kann man sich mit ihr nicht. Auf der täglichen Suche lernt er Sascha und die anderen der Clique kennen. Bis er beginnt, auch ihr Leben zu dokumentieren. Die Geschichte war echt und real und ging unter die Haut. Die Jugendlichen, Drogenabhängigen und Obdachlosen wurden nicht an den Pranger gestellt, sondern die Geschichte wurde aus ihrer Sicht beleuchtet. Christoph Scheuring urteilt nicht, was er auch nicht muss, denn ich finde, die Geschehnisse und die Charaktere und ihre Erlebnisse und Zustände sprechen für sich. Die Liebe zwischen Albert und Kati webte sich dabei sachte und real ohne jeglichen Kitsch ein.

 

„Ich kann das gar nicht ausdrücken so richtig…dass auf den Fotos alles irgendwie zart ist und auch wieder so brutal hoffnungslos. Und dass das die Wahrheit ist…Deshalb bin ich halt traurig.“ (S. 207)

 

Charaktere

 

Albert war für mich gar nicht unbedingt der Hauptprotagonist. Er erzählt uns zwar die Geschichte, aber es ist nicht unbedingt seine Geschichte. Sein Leben und seine Gefühle und Taten waren eher am Rande quasi der Rahmen der Story. Er war dennoch ein liebenswerter, etwas eigenwilliger aber viel zu naiver Charakter. Was man mit 16 Jahren, wenn man noch keine großen Rückschläge in seinem Leben hatte, durchaus sein darf.

 

Kati war sehr unnahbar und unberechenbar. Ich kann nicht sagen, dass ich sie sehr sympathisch fand. Aber ich konnte auf jeden Fall mitfühlen und mich in sie hineinversetzten. Die Art und Weise, wie sie oft mit Albert umging, war etwas fies. Ich konnte sie und ihr Verhalten aber oft verstehen, weil sie in ihren jungen Jahren extrem viel durchmachen musste. Solche seelischen Narben hinterlassen nunmal ihre Spuren.

 

Beide Charaktere waren also nicht unbedingt Vorbilder oder Sympathieträger aber sie waren ECHT. Authentisch, greifbar, aus dem Leben gegriffen. Auch die Nebencharaktere waren alle ECHT und trotz ihrer eher geringen Rolle sehr wichtig und irgendwie im Vordergrund. Besonders Sascha war sehr gut gezeichnet. Für mich waren Kati und die anderen Straßenkinder die wichtigeren Personen, denn das Buch ist eher eine Geschichte über deren Leben und deren Schicksal. Darüber, dass es Menschen gibt, die nicht behütet aufwachsen können, die keine wirkliche Kindheit haben und viel durchmachen und zum Teil ordentlich in der Scheiße stecken.

 

„Sie schaut mich an, trotzig und verletzt und von unten nach oben und sagte gar nichts, und ich sagte auch nichts, weil ich eben auch keine Antwort hatte auf nichts, und wenn mir überhaupt irgendwas klar war in meinem Leben, dann das: Egal, was passiert, diese Hand lässt du nie wieder  los.“ (S. 255)

 

Fazit

 

Christoph Scheuring hat eine Geschichte erschaffen, die ihrem Namen alle Ehre macht – den sie war ECHT. Eine Geschichte, wie sie das Leben schreibt – hart und ungeschönt. Die Art und Weise, wie sie geschrieben ist, passte perfekt. Die Charaktere waren gut und ECHT gezeichnet und gaben uns Einblicke in das harte Leben der Straßenkinder. Ich muss allerdings einen Punkt abziehen, da das Ende zwar passend aber mir zu abrupt. Als hätte er nicht ganz gewusst, wie die Sache rund um das Foto enden soll, was vermutlich so gewollt war. Ich konnte dadurch aber nicht richtig mit dem Buch und der Geschichte abschließen, als wären ein paar Seiten verloren gegangen.

 

 

Ein gelungener Reihenauftakt

Die sieben Schwestern: Roman - Lucinda Riley, Sonja Hauser

Maia d’Aplièse ist mit ihren fünf Schwestern auf dem herrschaftlichen Anwesen „Atlantis“ am Genfer See aufgewachsen. Alle sechs wurden von Pa Salt, ihrem geliebten Vater, adoptiert, als sie noch Babys waren. Er benannte sie nach den Plejaden, dem Siebengestern der sieben Schwestern. Die Schwestern wissen nichts über ihre wahren Wurzeln. Eines Tages verstirbt Pa Salt überraschend und hinterlässt den sechs jeder einen Brief und ein kleines Rätsel. Diese sollen sie in ihre Vergangenheit führen. Im Buch eins der Reihe begleiten wir Maia auf ihrer Suche.

 

Meinung

 

Schreibstil

 

Das Buch ist in der Ich-Perspektive geschrieben, was mich ja immer sehr freut, da ich so in der Regel schneller und einfacher mit den Protagonisten warm werden. Der Schreibstil war allerdings auch etwas kühl und steif, es fehlten, außer in den Briefen, etwas die Emotionen. Dadurch viel es mir doch schwer. Dennoch fand ich den Schreibstil schön, es war mal etwas anders eine solche Geschichte ohne das typische Geschnulze zu lesen. Ich musste mich nur erst einmal daran gewöhnen.

 

Charaktere und Geschichte

 

Maia und ihre fünf Schwestern erhalten von ihrem verstorbenen Adoptivvater Pa Salt jeder einen Umschlag und ein kleines Rätsel. Die Spuren sollen sie in ihre eigene Vergangenheit frühen. Denn keine der sechs weiß, wo ihre wahren Wurzeln liegen. In diesem ersten Band begleiten wir Maia bei ihrer Suche, die sie nach Rio de Janeiro führt. Hier stößt sie auf die Spuren von Izabela Bonifacio, eine schöne, junge Frau aus den besten Kreisen der Stadt. Sie hat dort in den 20er Jahren gelebt. Maia taucht in eine spannende und faszinierende Lebensgeschichte ein und fängt langsam an zu begreifen, wer sie wirklich ist und was sie mit ihrer Zukunft anfangen sollte.

 

Maia, Izabela, Florian und Maias Schwestern, ebenso wie Pa Salt, sind alle wunderbare Charaktere. Lucinda Riley hat sie vielschichtig, facettenreich aber auch geheimnisvoll gezeichnet.

 

Maia gilt als die Schöne, dennoch hat sie sich noch nicht in die Welt getraut und versteckt sich hintern den Mauern von Atlantis. Pat Salt zeigt in seinem Brief, wie gut er seine Tochter kennt.

 

„Lass dich nie von der Angst leiten! Eine treffendere Beschreibung meiner Persönlichkeit hätte ich mir kaum vorstellenkönnen“. (S. 75)

 

Es ranken sich viele Fragen und Rätsel um Pa Salt. Warum hat der die sechs adoptiert, warum sind sie nach den Plejaden benannt, warum hat er nie etwas erzählt und ganz wichtig, wo ist Schwester Nummer sieben? All diese Fragen bleiben in Teil eins erst einmal ungeklärt und vermutlich wird es insgesamt auch bis zum letzten Satz des letzen Buches dauern, bis wir alles erfahren. Es wird also spannend bleiben.

 

Mir haben die verschiedenen Erzählsprünge der Geschichte gut gefallen. Sie machten das Buch abwechslungsreich und spannend. Zunächst starten wir mit der Geschichte um die Schwestern und den Zeitpunkt, als ihr Vater starb. Dort lernen wir ganz kurz jede einmal kennen. Danach verlagert sich die Geschichte auf Maia, die nach ihren Wurzeln sucht und nach Rio fliegt. Dort begleiten wir sie auf der Suche, wo sie an Briefe von Izabela gelangt, die vermutlich entfernt mit ihr verwandt war. Die Briefe entführen uns in Izabelas leben in den 20er Jahren, zunächst in Rio, dann in Paris, dann wieder in Rio. Allerdings war dieser Teil der Geschichte gerade in den Anfängen etwas schleppend. Später ging es dann aber wieder spannend und interessant weiter.

 

„Sei versichert, dass ich jeden Tag beim Aufwachen an Dich denken und für Dich beten und Dich immer aus ganzem Herzen lieben werde.“ (S. 437)

 

Besonders überzeugen konnte mich Lucinda Riley mit den sehr genau recherchierten, historischen Fakten, beispielsweise zur Entstehung des Cristo. Die Details waren sehr gut recherchiert und ich habe Lust bekommen, mehr darüber zu erfahren und in die Mythen rund um die sieben Schwestern einzutauchen. Auch die Szenenbeschreibungen, besonders die in Rio, haben mich begeistert. Ich fühlte mich, als wäre ich direkt vor Ort.  Das Ende von Maias-Geschichte war rund und alle Fäden zu diesem Teil der Geschichte liefen zusammen. Das wirkliche Ende zeigte aber schon einen kurzen Einblick zur nächsten Schwester, und ist offen mit einem fiesen Cliffhanger. Ich weiß gar nicht, wie ich jetzt monatelang auf das nächste Buch warten kann.

 

„Liebe kennt keine Entfernung.
Sie kennt keinen Kontinent.
Ihr Blick gilt den Sternen.“ (S. 531)

 

Fazit

 

Lucinda Riley hat mit diesem Buch einen gelungenen Reihenauftakt hingelegt. Die Charaktere waren stark und facettenreich. Die Geschichte ist spannend, mit vielen Rätseln und Fragen, die auftauchten. Das macht große Hoffnung auf weitere, faszinierende Bücher zu den anderen Schwestern. Besonders fasziniert haben mich die Szenenbeschreibungen und die genauen historischen Fakten, die in diesem Buch verarbeitet sind. Einen Stern muss ich allerdings wegen den für mich anfangs zu kühlen Schreibstil und der etwas langatmigen Stelle zu Beginn von Izabelas Geschichte abziehen

Die Emotionale Geschichte der Zugkinder

Der Zug der Waisen: Roman - Anne M. Fröhlich, Christina Baker Kline

Vivian Daly, Tochter irischer Einwanderer, verliert bei einem Wohnungsbrand in New York, 1929, ihre gesamte Familie. Zusammen mit anderen Waisen wir sie in einen Zug, der in den Mittleren Westen fährt, verfrachtet. Auf dem Land sollen die Kinder ein neues Zuhause finden. Doch die Reise geht ins Ungewisse, nur wenige erwartet ein liebevolles Heim. Auch Vivian stehen einige Bewährungsproben bevor. Erst nach vielen Jahrzehnten, mit 91 Jahren, bekommt sie die Chance, bei der Begegnung mit der rebellischen Molly, das Schweigen zu brechen.

 

„Man nennt dies einen Waisenzug, Kinder, und ihr habt Glück, dass ihr mitfahren dürft.“ (S. 45)

 

Meinung

 

Schreibstil

 

Christina Baker Kline konnte mich vom ersten Satz im Prolog an fesseln und berühren. Der Schreibstil ist emotional und tiefgründig, übertreibt aber nicht mit unnötigen Ausschmückungen. Sie fasst die Stimmung und Schicksale der Waisenkinder sehr bewegend auf und spart dabei nicht, die Dinge knallhart zu schildern. Einfach ein wirklich toller Schreibstil, der mir in Erinnerung bleiben wird.

 

„Ich glaube an Geister. Sie sind es, die uns verfolgen, die uns allein zurückgelassen haben. […] Die Geister redeten mir zu, sie flüsterten, ich solle weitermachen.“ (S. 10)

 

Geschichte  und Charaktere

 

Christina Baker Kline erzählt eine Geschichte, die nah an der Realität dran ist. Vivian Daly ist die Tochter irischer Einwanderer und gerade mal neun Jahre alt, als sie ihre Familie bei einem Wohnungsbrand in New York verliert. Sie wird gemeinsam mit vielen anderen Waisenkindern in einen Zug verfrachtet. Er fährt in den Westen und soll die Kinder zu Familien bringen, die ihnen eine Chance auf ein behütetes Leben geben. Doch der Schein trügt, denn längst nicht alle, meist sogar ein Großteil der Kinder, kommt in eine liebendes, behütetes Zuhause. Für viele Familien sind die Kinder eine billiger Arbeitskraft – auf der Farm, im Haushalt, als Näherin. Viele leben in erbärmlichen Verhältnissen und müssen, ebenso wie Vivian, vieles in ihren so frühen Jahren durchmachen.

 

Besonders berührt hat mich die Geschichte, weil es diesen „Orphan Train“, wie er wirklich heißt und Schicksale, wie das von Vivian, tatsächlich gab. Beim Lesen spürte ich, wie sehr Christina Baker Kline mit den noch lebenden Zugkindern für ihre Recherche in Berührung war. Vivians Schicksal ging unter die Haut und hat mich emotional mitgenommen. Nicht nur, weil sie vermutlich mehr durchgemacht hatte, als viele in ihrem gesamten Leben, und das bevor sie überhaupt 15 Jahre alt war. Sondern auch, weil sie trotz allem nie ihren Mut verloren hat und sich durchkämpfte.

 

„Ich lernte weiterzumachen und auszusehen wie jeder andere, auch wenn ich mich innerlich zerbrochen fühlte.” (S. 144)

 

Vivian ist ein sehr starker, authentischer und lebensnaher Charakter, die wir als Frau mit 91 Jahren treffen und erzählt bekommen, wie sie ihre Kindheit verleben musste. Und auch Molly, 17 Jahre alt, ist ein ebenso vielschichtiger und realitätsnaher Charakter, mit der man mitfühlt. Molly hat ein ähnliches Schicksal wie Vivian, ebenfalls quasi eine Waise. Durch Zufall stolpert sie in Vivians Leben und beide entwickeln eine ungewöhnliche Freundschaft. Endlich kann Vivian ihr Schweigen brechen und all die schlechten aber auch guten Erinnerungen mit jemandem teilen. Die beiden geben sich Stärke und Mut und stützen einander.

 

„Es ist ein angenehmer Ort zum Heimkommen. Ein Zuhause.“ (S. 246)

 

Fazit

 

Christina Baker Kline konnte mich mit „Der Zug der Waisen“ mit allen Aspekten vollkommen überzeugen. Vom ersten Satz an war ich an das Buch gefesselt und wurde emotional berührt. Vivian und Molly sind zwei authentische, vielschichtige, liebenswerte und starke Charaktere. Beide durch ein trauriges, aber leider sehr reales Schicksal verbunden. Die Geschichte konnte mich mit jedem Wort bewegen und verdient volle fünf Sterne und eine klare Leseempfehlung.

Das Potenzial nicht ganz ausgeschöpft

Die Magie der kleinen Dinge: Roman - Jessie Burton, Karin Dufner

Nella, 18 Jahre alt, wird mit dem Amsterdamer Johannes Brandt verheiratet. Brandt ist ein reicher und weithin bekannter Handelsmann. Als sie in dem Herrenhaus in der Herengracht in Amsterdam eintrifft, schlägt ihr nur kalte Abneigung entgegen. Nur das Hochzeitsgeschenk – ein Puppenhaus als exakte Nachbildung des Herrenhauses – spendet ihr etwas Trost. Sie bestellt bei einem Miniaturist Dinge für das Puppenhaus. Doch schon bald nimmt die Geschichte einen mysteriösen Lauf.

 

Meinung

 

Schreibstil

Der Schreibstil von Jessi Burton konnte mich leider nicht sofort mitreisen. Ich hatte lange Schwierigkeiten, in die Geschichte zu finden. Es passiert sehr lange kaum etwas, die Handlung schleppt sich und dadurch wirkte der Schreibstil für mich etwas steif. Das Holländisch zwischenrein, die Zitate aus der Bibel und die Art zu Reden, wie es im Jahre 1686 üblich war, sind zwar gut getroffen und geben dem Buch durchaus einen Reiz. Sie sorgten aber dafür, dass sich das ganze noch mehr schleppte. Im Laufe des Buches ist es dann aber noch besser und flüssiger geworden. Auch die Übergänge zwischen manchen Kapiteln und Zusammenhänge waren für mein Befinden teilweise etwas holprig, zumindest im ersten Teil des Buches.

„Als Nella den Mantel fester um sich zieht und auf ihr Zimmer zusteuert, bewegt sich oben an der Treppe ein Schatten. Die Rückseite eines Fußes verschwindet mit angehobener Ferse in der Dunkelheit.“ (S, 215)

Sätze wie dieser sorgten vor allem im hinteren Teil des Buches für etwas mehr Spannung und brachten etwas Mysteriöses hinein. Aber leider ist es dadurch gedämpft, dass viele nicht notwendige Ausschmückungen dabei waren. Kurz und knackig, das sich ein Schatten bewegt, hätte gereicht und wäre für mich spannender.

 

Charaktere und Geschichte

„Aber die Miniaturistin sieht dich – sie sieht uns alle.“ (S. 205)

Nella ist arm und lebt in einem Bauerndorf. Mit 18 wird sie an den reichen Händler Brandt verheiratet. Sie wird mit der kalten Schulter im Herrenhaus aufgenommen und führt ein einsames, tristes Leben. Ihr Leben als Ehefrau, hatte sie sich ganz anders vorgestellt. Johannes ist ständig unterwegs wegen seinen Geschäften, seine Schwester Marin ist eiskalt und launisch. Nur mit dem Diener und dem Dienstmädchen, Otto und Cornelia, wird Nella zunächst warm. Das Puppenhaus, dass sie von Johannes als Hochzeitsgeschenk bekommt, sorgt für etwas Trost. Bis sie das erste Mal bei einem Miniaturist bestellt. Von da an, bekommt sie immer wieder Miniaturen, die sie nicht bestellt hatte, und die Hinweise zu ihrer Familie und deren Schicksal verbergen. Nella beginnt zu erahnen, dass die Brandts nicht zu perfekt sind, wie es scheint und gerät immer mehr auf die Spur der dunklen Geheimnisse.

Von der Idee her hat die Geschichte also durchaus Potenzial und klingt sehr interessant. Daher bin ich mit der Erwartung an einen packenden Roman, voller mysteriöser Vorkommnisse herangegangen. Leider hat sich die Handlung mehr als 100 Seiten lang sehr geschleppt, es passierte so gut wie nichts. Später ging es dann um so schneller voran und eine neue Entdeckung und ein aufgedecktes Geheimnis jagt das andere. Wäre es besser verteilt gewesen, hätte das Buch sein Potenzial viel mehr ausgeschöpft. Zudem sind für mich die Handlungsstränge nicht alle perfekt zusammengelaufen oder sind einfach nicht richtig aufgeklärt worden. So erfährt man nie, was denn jetzt die Absichten der Miniaturistin waren, was Nella sich diesbezüglich überlegt hat und wie die Miniaturistin vorgegangen ist. Stattdessen geschehen viele andere Dinge. Es war ein bisschen wie zwei Geschichten, die nicht richtig rund zusammengeführt sind.

 

Mit den Charakteren konnte mich Jessie Burton aber definitiv überzeugen. Zwar finde ich, kann ich keinen wirklich als sympathisch beschreiben, aber alle sind stark und facettenreich gezeichnet. Ich mag es immer sehr, wenn die Protagonisten nicht einfach gut oder schlecht sind, sondern beides ein bisschen. Denn jeder Mensch hat seine Geheimnisse und sein Päckchen zu tragen. Jeder hat seine guten und schlechten Seiten. Das hat Jessie Burton wirklich gut umgesetzt und so authentische, starke Charaktere geschaffen, die sehr vielseitig und unterschiedlich sind.

 

Fazit

 

Ein Buch, bei dem ich mit hohen Erwartungen ans Lesen gegangen bin, dass mich aber nicht ganz überzeugen konnte. Ich habe lange gebraucht, in das Buch zu finden. Die Handlung lief lange sehr schleppend und ereignislos. Erst in der Mitte, oder gar weiter hinten, nahm die Geschichte Fahrt auf. Hier jagte dann ein Ereignis und eine Entdeckung die andere und konnte mich doch noch packen. Die Charaktere konnten mich alle überzeugen. Leider fühlte es sich für mich an, als hätte Jessie Burton zwei verschiedene Geschichten verbinden wollen, was aber nicht ganz rund war. Mir fehlt auch eine Aufklärung rund um die Miniaturistin. Da das Buch aber nach den Anlaufschwierigkeiten noch spannender und ereignisreicher wurde und die Charaktere stark und facettenreich waren, gibt es drei Sterne.

Fiktion und Fakten gekonnt vermischt

Madame Picasso: Roman - Anne Girard, Yasemin Dinçer

Die junge Eva kommt in die schillernde Metropole Paris, im Jahr 1911, um sich ein neues Leben aufzubauen. Im Herzen der Bohème verliebt sie sich in den überaus talentierten Ausnahmekünstler Pablo Picasso. Trotz aller Widerstände erwidert er ihre Gefühle und es beginnt eine der großen Liebesgeschichten des Jahrhunderts. Eva wird nicht nur Picassos Halt, seine Liebe, sondern auch seine Muse. Ihr Kennenlernen wird ihrer beider Leben für immer verändern.

 

Meinung

 

Schreibstil

 

Das Buch begleitet sowohl Eva, als auch Picasso und später beide gemeinsam und ist in der dritten Person geschrieben. Der Schreibstil ist einnehmend, dennoch schlicht, gespickt von französischen Ausdrücken und Redewendungen, gespickt von Kunst, Kultur und einem Hauch Lyrik passend zur damaligen Zeit.

 

„Pablo Picasso war eine Naturgewalt, mächtig wie ein Orkan, und heute war sie den glorreichem Zentrum jenes gewaltigen Sturms, den sie vor sich ahnte, nahe gekommen.“ (S. 131)

 

Geschichte  und Charaktere

 

Wir erleben gemeinsam ein Stück von Evas Leben, wie sie in Paris ein neues Leben beginnen möchte, wie sie kämpft und was sie sich alles aufbaut. Und wir erleben den Beginn von Picassos Ruhm, seinen Kampf damit, seinen Kampf mit der Vergangenheit, seinen Dämonen, seiner bereits zum Scheitern verurteilten Beziehung mit Fernande. Anne Girard schaffte es, Picasso, Eva, Fernande und all die andern großen Künstler, Dichter und Lyrik wundervoll authentisch und detailgetreu zu Zeichen. Ich fühlte mich, als würde ich über den wahrhaften Picasso lesen.

 

„Pablo Picasso war ein komplexes Genie, ebenso machtvoll in seiner Leidenschaft wie in seiner Wut, und sie wusste eins mit Sicherheit: Sie hatte sich Hals über Kopf in diesen Mann verliebt […]“ (S. 266)

 

Eva ist eine sehr beeindruckend und starke Persönlichkeit, die Anne Girard wirklich gut getroffen hat, und Details zu ihrem Leben, ihren Gefühlen und ihrer Liebe zu Picasso gekonnt mit den Gefühlen und dem Leben von Picasso selbst verwoben hat. Und das, obwohl nur wenig über Eva Gouel bekannt ist. Auch Picasso hat Anne Girard treffend gezeichnet und einen Blick hinter die chaotische, unnahbare Fassade, die die Welt von ihm kennt, gebracht. Die Geschichte ist sehr berührend und an vielen Stellen voller Leidenschaft zwischen Eva und Pablo und der Leidenschaft zur Kunst.

 

„In seinem Kopf und in seinem Herzen war Eva so vieles, sie war Marcelle, sie war Eva, war Näherin, Kostümbildnerin, exotische Geisha, Polin, Französin, sinnlich, zart, aufrichtig – und ganz und gar vollkommen.“ (S. 257)

 

Anne Girard hat einen Hauch Fiktion geschickt mit der Realität und den wahren Fakten, die rund um Picasso, seine Werke, seinen Freundeskreis und sein Leben bekannt sind, vermischt. Das Buch konnte mich immer bei Laune halten und hatte nur selten kleine Stellen, die etwas lang waren. Ich mochte es sehr und habe Lust bekommen, mehr über die damalige Zeit, Kunst und Lyrik zu erfahren.

 

Irgendwie hat es mich aber nicht komplett einnehmen können, nicht ganz bewegen und ergreifen können, wie es eine der größten Liebesgeschichten des Jahrhundert hätte tun können. Ich kann leider nicht einmal genau sagen warum, vielleicht weil es trotz des einnehmenden Schreibstil viel Geschichte rüberbrachte und nur in wenigen Stellen die Liebe zwischen Eva und Picasso so tiefgründig und unbegrenzt, wie sie war, bei mir ankam. Vielleicht auch daran, dass es dem Schreibstil hin und wieder etwas daran fehlte, die Atmosphäre im damaligen Paris wirklich vollkommen zu transportieren.

 

Fazit

 

Anne Girard schaffte es, einen Hauch Fiktion mit viel bekannten, wahren Fakten aus Picassos Leben zu vermischen. Obwohl nur wenig über seine große Liebe Eva Gouel bekannt ist, konnte Anne Girard deren beider Leben und Liebe gekonnt rüberbringen und lässt keinen Moment zweifeln, dass es eventuell nicht ganz so geschrieben ist, wie es wirklich war. Der Schreibstil war zu großen Teilen eher schlicht aber dennoch einnehmend. Mir hat nur hin und wieder etwas die Leidenschaft gefehlt, die an manchen Stellen so wunderbar aufflammte. Ab und an flachtet der Stil etwas ab, und konnte die Atmosphäre nicht mehr ganz so gut transportieren. Dennoch konnte mich Anne Girard mit Madame Picasso und der Art, wie realitätsnah und authentisch sie die Geschichte erzählt für sich gewinnen, weshalb ich vier Sterne vergebe.

Ausdrucksstark und packend

Die Falle: Roman - Melanie Raabe

Meinung

 

Schreibstil

 

Melanie Raabe schreibt die Geschichte aus der Ich-Perspektive von Linda. Der Schreibstil ist dabei sehr ausdrucksstark und bildhaft. Zwischendurch finden sich Kapitel aus dem Roman, den Linda schreibt. Melanie Raabe schreibt quasi ein Buch im Buch und schaffte es auch, mir glaubhaft zu vermitteln, dass beide von verschiedenen Autorinnen sind. Im Vergleich zum eigentlichen Buch, ist das Buch von Linda eher kühl und schlicht geschrieben.

 

Charaktere und Geschichte

 

„Italien erinnert mich an meine Schwester und daran, wie die Dinge früher waren, vor der Dunkelheit.“ (S. 7)

 

Linda Conrads ist 38 Jahre alt, Autorin und war seit elf Jahren nicht mehr vor der Tür. Sie hat ihre Schwester ermordet in einem Blutbad vorgefunden und den Mörder beim Flüchten gesehen. Seitdem verfolgt sie das Gesicht des Mörders bis in ihre Träume. Aufgrund ihrer Panikattacken und seelischen Risse, die sie durch dieses Ereignis davongetragen hatte, schottet sie sich von der Außenwelt ab. Nur mit ihrem Verlag und ihrer Assistentin hat sie noch Kontakt. Melanie Raabe schaffte es, dass ich als Leser diese seelischen Schmerzen und Ängste richtig spüren konnte. Die Charaktere sind zwar nicht unbedingt Menschen, die man anfängt ins Herz zu schließen, aber sehr authentisch und facettenreich gezeichnet.

 

Linda kommt in ihrer Welt gut klar und fühlt sich sicher. Bis sie eines Tages das Gesicht dieses Monster im Fernsehen sieht. Sie ist zutiefst schockiert, ihre Welt gerät ins Wanken und sie schmiedet einen Plan, den Mörder in eine Falle zu locken.

 

„Meine Welt liegt in Schutt und Asche. Ich sitze auf meinem Bett, inmitten der Trümmer und starre auf den Fernseher. Ich bin eine offene Wunde. Ich bin der Geruch von rohem Fleisch.“ (S. 10)

 

Die Kapitel aus dem Buch, das Linda Conrads schreibt, geben auch Einblicke in die Zeiten damals, kurz vor und nach dem Tod der Schwester. So lernen wir, wie Linda einmal war und auch ein bisschen etwas über Anna, die Schwester. Allerdings sorgte dieses Buch im Buch streckenweise dafür, dass das Buch etwas lang war. Auch einige Wort- und Satzkonstellationen wiederholen sich öfter, das zwar beabsichtigt ist, da es die Verwirrung und Ängste von Linda ausdrücken soll, aber nach einer Zeit hat es mich etwas gestört. Dadurch hatte der Spannungsbogen für mich leichte Dellen. Dennoch konnte mich das Buch packen. Melanie Raabe schaffte es, mich erst komplett zu überraschen, auf eine falsche Fährte zu führen, nur um mich dann wieder auf den alten Pfad zu führen, der dann aber doch wieder überraschenden Wendungen bereit hielt.

 

Fazit

 

Mit den authentischen und facettenreichen Charakteren konnte Melanie Raabe bei mir Punkten. Ihr Schreibstil ist sehr ausdrucksstark und transportiert die Gefühle von Linda so glaubwürdig, dass ich ihre Ängste und seelischen Schmerzen schon fast mit spüren konnte. Stellenweise war das Buch aber etwas lang. Durch manche Wiederholungen, die zwar im Großen und Ganzen die Gefühle von Linda stark ausdrücken, mich aber manchmal störten, hat der Spannungsbogen für mich manchmal etwas gelitten. Dennoch war das Buch packend, vor allem durch den Schreibstil und die überraschenden Wendungen, die Melanie Raabe immer wieder einbaute.

 

Was ist Wahrheit, was Lüge?

Lügentanz: Roman - Ivonne Keller

Eines morgens stellt Michaela Michalsen ihrem Mann David nebenbei die Frage – „Liebst du mich noch?“. Mit einem „Nein“ hat sie auf keinen Fall gerechnet. Oder damit, dass er die Trennung möchte. Plötzlich fehlen ihr Erinnerungen an ein wichtiges Telefonat. Ist es der Schock? Oder sind die Aussetzer zurück, die sie bereits vor zwölf Jahren fest im Griff hatten? Spielt ihr Mann vielleicht sogar ein falsches Spiel und will sie in den Wahnsinn treiben?

 

Meinung

 

“Waren ihre Aussetzer wieder da? […] Kein Mensch hatte damals verstanden, was da vor sich ging. Auch nicht der Psychiater in der Klinik, obwohl er sich wirklich alle Mühe gegeben hatte.” (S. 21)

 

Wie bereits bei Hirngespenster war der Schreibstil auch bei Lügentanz sehr schlicht, ohne große Ausschmückungen und dennoch schaffte es Ivonne Keller, dass ich das Buch schon nach den ersten paar Seiten kaum noch aus der Hand legen wollte.

 

Auch hier möchte ich mich zur Geschichte nicht mehr preisgeben. Jeder weitere Satz, der über die oben stehende Inhaltsangabe hinausgeht, würde zu viel verraten.

 

Das Buch war gespickt von authentischen, tiefgründigen, abwechslungsreichen Charakteren. Charaktere die zeigen, wozu Menschen fähig sind, wie sich traumatische Ereignisse auf die Psyche auswirken können aber auch, wie wichtig Bezugspersonen, Familie, Freundschaft und Liebe sind. Das Buch zeigt Protagonisten, die ich mir sehr gut im realen Leben vorstellen kann. Es wirkte, wie die Lebensgeschichte eines realen Menschen, statt einer fiktiven Person. Genau das ist es auch, was mich an Ivonne Keller’s Geschichten fasziniert – dieses ständige Gefühl, gerade eine wahre Geschichte zu lesen, obwohl sie komplett erfunden ist.

 

Von Beginn an war ich gefesselt, litt mit Michaela mit und wollte verzweifelt wissen, was los ist. Ist es ihre Psyche, ihr Mann, was passiert nur? Und was hat Lena vor, wer ist sie und Bea, ist sie wirklich eine so gute Freundin? Fragen über Fragen, die mit jeder Seite mehr wurden und erst ganz zum Schluss mit einem großen Knall aufgeklärt wurden. Dabei reicht der schlichte und etwas kühle Schreibstil vollkommen aus, denn Ivonne Keller schafft es immer wieder, kleine Appetithäppchen einzuwerfen, die mich komplett an das Buch fesselten. Denn zur eigentlichen Geschichte, stehen am Ende von jedem Kapitel Nachrichten von Bea, Michaelas bester Freundin, an sie, die aus der Zukunft sind, also nach den Geschehnissen. Und mit diesen Nachrichten kommen immer neue Hinweise und Fragen durch die ich ständige neue Spekulationen und Ideen hatte, die aber durch komplett überraschenden Wendungen widerlegt wurden.

 

Fazit

 

Auch mit Lügentanz konnte mich Ivonne Keller von der ersten bis zur letzten Seite überzeugen. Es war gespickt von wahnsinnig authentischen Charakteren. Ich fühlte mich, als würde ich gerade die Geschichte einer wahren Person lesen. Das ist das, was mich am meisten fasziniert. Ebenso wie die ständigen neuen kleinen Appetithäppchen auf eine mögliche Lösung, mit denen ich immer falsch lag. Das Ende überraschte mich komplett.  Lügentanz bekommt somit fünf volle Sterne und ich bin hungrig auf mehr Geschichten von Ivonne Keller.

Vielseitig und berührend

Ein Teelöffel Land und Meer - Dina Nayeri

Saba und Mahtab, Zwillinge, sind unzertrennlich. Doch nur bis zu ihrem elften Geburtstag. Denn Mathab und ihre Mutter verschwinden innerhalb kurzer Zeit auf mysteriöse Weise. Saba bleibt als halber Mensch zurück. Das Dorf redet von einem Badeunfall im Kaspischen Meer und die missglückte Flucht ihrer Mutter aus dem Iran. Aber Saba glaubt an ihren Zwillingssinn und eine andere Geschichte.

 

Meinung

 

Schreibstil

 

Das Buch ist überwiegend in der dritten Person geschrieben. Nur zwischendrin gibt es immer wieder kurze Kapitel ihrer Dorfmütter, die von ihnen direkt erzählt werden und mit dem Leser ihre Gedanken und Erinnerungen teilen. Der Schreibstil war schlicht, ohne übertriebene Ausschmückungen und trotzdem detailliert genug und berührend. Dennoch hatte ich am Anfang etwas Probleme in den Stil zu finden. Nach den kurzen Anlaufschwierigkeiten konnte mich Dina Nayeri aber noch komplett einnehmen.

 

Charaktere und Geschichte

 

Als Saba elf Jahre alt ist, verändern zwei einschneidende Ergebnisse ihr Leben für immer. Die islamische Revolution nimmt gerade ihren Lauf, weshalb ihre christliche Familie Teheran verlassen und auf ihre Ländereien in der Gila-Provinz ziehen muss. Nur kurze Zeit später verschwinden ihre Mutter und ihre Zwillingsschwester Mahtab spurlos. Mahtab soll ertrunken sein. Ihre Mutter soll bei ihrer Flucht aus dem Iran festgenommen worden sein.

 

Aber Saba will das nicht glaub. Sie ist sich sicher, dass Mathab und ihre Mutter am Flughafen in ein Flugzeug gestiegen sind und jetzt in Amerika ein gutes Leben führen. Doch je älter sie wird, desto unsicherer ist sie. Was ist Wahrheit, was ist Lüge? Wenn sie noch Leben, warum nehmen sie keinen Kontakt auf? Und auch wichtige Fragen in ihrem Leben machen es nicht einfacher. Was ist wichtiger, die eigenen Prinzipien, Wünsche, Träume oder Liebe und Sicherheit? Wann wird es Zeit, eigene Entscheidungen zu treffen und das eigene Schicksal in die Hände zu nehmen?

 

Wir lernen Saba kennen, als sie ein zerbrechliches, elfjähriges Mädchen ist, das gerade erst Mutter und Schwester verloren hat. Verzweifelt versucht sie die Wahrheit herauszufinden und sich an die Hoffnung zu klammern, ihre Schwester würde noch Leben.

 

„Mann muss es nicht aus ihrem Mund hören, wenn man deutlich sehe kann, wie ihre Hand nach diesem fehlenden Menschen greift, der immer links von ihr Stand.“ (S. 20)

 

Ihren besten Freunden Reza und Ponneh erzählt sie Geschichten über sie und wartet sehnsüchtig auf einen Brief von Mathab. Auch ihren drei Dorfmüttern, die jede einen wichtigen Teil in ihrem Leben einnehmen, erzählt sie diese Geschichten. Doch eine, Rezas Mutter, macht sich deshalb große Sorgen.

 

„Ich denke, dass diese Geschichte viele Arten von Wahrheiten enthält, und die größte davon ist, dass Mathab irgendwo noch immer lebt.“ (S. 139)

 

Wir erleben mit, wie sich Saba von einem kleinen, geschlagenen Mädchen in eine selbstbewusste Frau verwandeln wird, die versucht, ihren Weg im Leben zu gehen. Auf ihrem Weg versucht sie immer die Wahrheit zu finden und muss einiges einstecken. Sie ist ein wirklich starker, authentischer und tiefgründiger Hauptcharakter, denn man nur ins Herz schließen kann.

 

Und auch die anderen Charaktere, ihre besten Freunde, ihr Vater, die Mullahs, ihre Dorfmütter sind alle individuelle, starke, mal mehr, mal weniger sympathische Charaktere. Sie alle tragen einen wichtigen Teil zur Geschichte bei und machen das Buch abwechslungsreich und spannend.

 

Das Buch erzählt die Geschichte von diesem unsichtbarem Faden, dieser tiefen Verbindung von Zwillingen. Und davon, was passiert, wenn Zwillinge getrennt werden, wie sinnlos und leer sich Saba dann fühlte. Sie erzählt vom Kampf des Erwachsenwerdens als ein Mädchen im Iran. Vom Kampf der Frauen im Iran im allgemeinen und den Ängsten und Sorgen, die sie nach der islamischen Revolution ausstehen.


Einer Welt, in der eine Frau ausgepeitscht wird, weil eine rote Schuhspitze zu sehen war. Es erzählt, wie Saba versucht, dennoch sich selbst zu finden, ihren Prinzipien treu zu bleiben und ihre Träume später zu leben. Träume von einem Leben in Amerika, einem Studium und Unabhängigkeit. Außerhalb eines Leben, in dem Männer die Macht haben und über Frauen und ihr Handeln bestimmen.

 

„Manchmal, in ihren grausamsten Tagträumen, wenn Abbas ins Kaspische Meer geworfen oder ausgeweidet wird, fürchtet sie, dass sie genauso ist wie die Basidsch-Frauen. Dass auch in ihr eine bösartig grinsende Bestie lauert […]“ (S. 379)

 

Fazit

 

Eine Geschichte, die von der tiefen Verbindung zwischen Zwillingen erzählt. Eine Geschichte über Sorgen und Ängste der Frauen, in dieser Welt, in der Männer die Macht haben, über sie bestimmen und den kleinsten Fehltritt bestrafen. Und über die eigenen Träume, Wünsche und die Sehnsucht nach echter Liebe.


Über die Hoffnung auf eine Zukunft in Freiheit und voller Unabhängigkeit. Die Charaktere waren authentisch, stark und individuell und der Schreibstil schlicht aber packend. Stellenweise war die Geschichte etwas lang und ich hatte etwas Anlaufschwierigkeiten. Deshalb gibt es vier Sterne und eine Leseempfehlung.

Brutal ehrlich - schokierend und schön zugleich

Das Lachen und der Tod - Pieter Webeling

Ernst Hoffmann, niederländischer Komiker, wird im Jahr 1944 mit einem Viehwaggon und zusammen mit anderen Gefangenen in ein KZ in Polen gebracht. Mit Hilfe von Witzen versucht er seine Mitgefangenen abends vor der endgültigen Verzweiflung zu bewahren. Bis ein deutscher Lagerkommandant davon erfährt. Er will Hoffmann dazu bringen, vor den SS-Soldaten aufzutreten. Ernst weigert sich, doch dann wird im das Leben einer Frau versprochen, in die er sich beim Transport verliebt hat.

 

Meinung

 

„Sie sind tot, Holländer. Durch den Kamin. Die Menschen aus der rechten Reihe sind Asche im Fluss.“ (S. 54)

 

Schreibstil

 

Das Buch wird aus der Ich-Perspektive von Ernst Hoffmann selbst erzählt. Er berichtet uns, von seiner Zeit im Konzentrationslager. Dabei verwendet Pieter Webeling einen gnadenlos ehrlichen, knallharten, unverblümten Schreibstil, der die unmenschlichen Grausamkeiten im KZ auf brutale weiße transportiert. Und genau das ist richtig, denn alles andere wäre falsch und würde den Gräueltaten nicht gerecht werden.

 

„Der andere kontrolliert mit einem kleinen, runden Zahnarztspiegel die Mundstücke und riss mit einem lauten Krachen einen Goldzahn heraus. […] Anschließend wurde die Leiche wie ein nutzlos gewordener Klumpen Fleisch weitergereicht.“ (S. 159)

 

Charaktere und Geschichte

 

Von Beginn an erfährt man als Leser, bereits im Klappentext, dass der Komiker Ernst Hoffman das KZ Auschwitz überlebt hat. Wir lernen ihn kennen, als er kurz vor seinem ersten Auftritt nach dem Krieg steht. Dort wartet er nervös auf eine bestimmte Frau in seiner Garderobe. Helena, die er im Viehwaggon beim Transport ins KZ kennenlernte.

 

„Ich hatte Angst davor, eines Tages ihr Gesicht zu vergessen. Den Geschmack ihrer Lippen oder ihr Lächeln.“ (S. 76)

 

Helena konnte nicht nur sein, sondern auch mein Herz im Sturm erobern. Denn mitten in diesem Elend, in dem hunderte wie Vieh transportiert wurden, versucht sie den Menschen Hoffnung zu geben, indem sie das Lied der Hoffnung singt. Bald kommt es zu einem Handgemenge im Waggon und Ernst versucht wie Helena, Hoffnung zu säen. Nur versucht er es mit Komik, einem Witz, einem Lacher. Und genau das wird er später auch im KZ, abends in den Baracken, versuchen. Nach dem Motto jeden Tag ein Lacher versucht er, sich an die minimale Hoffnung des Überlebens zu klammern und bereits todgeweihte von ihrem Elend abzulenken.

 

Als ich den Klappentext las, habe ich erst wochenlang überlegt, ob ich das Buch wirklich haben will. Die harte Realität eines Vernichtungslagers und Humor mischen? Das kann nicht gut sein und ist bestimmt geschmacklos – so dachte ich mir.

 

„Humor ist nichts weiter als die strikte Weigerung, der Tragödie das letzte Wort zu überlassen.“ (S. 105)

 

Doch ich bin jetzt, wo ich „Das Lachen und der Tod“ gelesen habe, sehr froh, dass ich mich für das Buch entschieden habe. Denn Ernst Hoffmann schafft es, den Grad zwischen Lachen und Tod gekonnt zu halten. Immer wieder sind Witze dabei, in denen Ernst Hitler und seine Gefolgsleute aber später vor den SS-Leuten auch sich selbst aufs Korn nimmt ohne dabei irgendetwas zu beschönigen oder ins Lächerliche zu ziehen. Durch seinen gnadenlos ehrlichen Schreibstil und seine authentischen und bildhaften Schilderungen all der Widerlichkeiten, Abartigkeiten, unfassbaren Ungerechtigkeiten ist „Das Lachen und der Tod“ eine der wenigen Lektüren zu den damaligen Geschehnissen, welche die pure Wahrheit sagen und nichts zu verschönern versuchen. Pieter Webeling schafft es Bilder in meinem Kopf entstehen zu lassen, die mich sehr traurig machten und obwohl man doch ungefähr weiß, was damals geschah, schaffte er es, mich erneut sprachlos, angewidert und schockiert zurückzulassen.

 

Die Charaktere sind dabei authentisch, brutal und ehrlich. Sie geben Einblicke in die schwärzesten aber auch hellsten Stellen der menschlichen Seelen. Wir erleben, wie blind die SS-Leute, Kapos und Barackenältesten sind, wie falsch und grauenhaft. Aber auch, wie tief drinnen in manchen etwas Gutes steckt, etwas, dass sich gerne weigern würde. Auch Ernst verzweifelt immer wieder an dieser einen Frage, ob er etwas tun müsste. Einige spielen ihre Rollen, weil sie selber Angst um das eigene Leben haben. Jeder will Überleben und selbst Gefangene werden so leicht zum Tier, und sind nur auf ihr eigenes Wohl bedacht. Und genau diese Ehrlichkeit bereitete mir oft eine Gänsehaut. Jeder von uns ist vermutlich entsetzt, wenn selbst die Häftlinge unter sich grausam zueinander sind und schockiert, dass so viele nur zugesehen haben. Aber keiner kann wirklich sagen, ob er anders gehandelt hätte, wenn es ums nackte Überleben geht.

 

„‚Angenommen, wir beide überleben nicht wie so viele andere. Hätten wir etwas unternehme

müssen?‘ Das hatte ich mich bereits tausend Mal gefragt, ohne je eine Antwort darauf zu finden.“ (S. 221)

 

Peter Wiebling zeigt mit seinem Buch, wie wichtig Hoffnung und auch Liebe im Leben sind. Das einzige, was Ernst zum kämpfen ums Überleben bringt, ist der Gedanke an Helena. Es zeigt, dass neben alle der Brutalität, neben Hunger, Leiden, Tod auch Liebe, Freundschaft und Hoffnung entstehen.

 

Fazit

 

Pieter Webeling schafft mit „Das Lachen und der Tod“ die Gratwanderung zwischen Tod und Humor. Wir blicken in die tiefsten Abgründe der Menschheit und lesen gleichzeitig, wie in solchen unfassbar grauenhaften Zeiten dennoch Liebe, Freundschaft und Hoffnung entstehen kann. Das buch ist hart, brutal, ehrlich, emotional und berührend – schrecklich und wunderschön zu gleich. Ein Buch, dass nichts verschönt und dennoch Hoffnung streut.

Quelle: http://lovelymix.de/rezenzion-das-lachen-und-der-tod-pieter-webeling

A magical book

Etta and Otto and Russell and James: A Novel - Emma Hooper

Etta lives in the farmlands of Saskatchewan with her husband Otto. Her greatest unfulfilled dream ist to see the sea. At the age of eighty-two, she gets up very early, takes some chocolate, a rifle and her best boots and begins to walk the 2,000 miles to the water.

But she’s starting to forget things, while Otto remembers everything. And even Russell, their neighbour, remembers, but in a different way. And he still loves Etta. As much as he did before she married Otto, fifty years ago.

 

Opinion

 

“I’ve gone. I’ve never seen the water, so I’ve gone there. Don’t worry, I’ve left you the truck. I can walk. I will try to remember to come back.

Yours (always)

Etta

(Page 1)

 

It is very difficult for me to find the right words and review this book. But I can say, that I think it was magical.

 

With only bare necessities in her bag, Etta starts to walkt to the see. Even though she occasionally suffers from memory loss. Otto waits patiently for her and is confident, that Etta will succeed. But Russell, a very good friend and neighbour fears that Etta will get lost.

 

The book is a mixture of Etta and her walk, flashbacks to their childhood, to the beginning of Etta’s and Otto’s and Russell’s love and to the time, Etta had to stay behind, while others went to war. And of letters and recipes, passages about Otto, about Russell and of course Etta, with the coyote James. It is not just a boring walk through canada, but a colorful story and I never knew if what’s just happening is real or imagined.

 

I loved the vulnerability of the characters and the bond between them all, because they known each other for more than fifty years and share their past, dreams and memories. It is not a book about a walk but about desires, unfulfilled wishes, longing, memories, happiness and love.

 

I still cannot decided if I like the end or not. It is very open and left to the reader’s interpretation. And mine is, well, sad, so sad and I wish I could read a better, happy ending. And I still cannot decide, if Etta really went for that walk or if it is only a dream. A dream in the last days of her life, while she lays unconscious in a hospital bed. That’s what I love most about Etta and Otto and Russell and James. That it offers so much room for my own interpretation and speculations. It’s a book you cannot take to seriously. I mean, of course it is ridiculous that an 82 year old woman starts walking 2,000 miles without prober sleep or much to eat and drink, with a coyote on her side. It is a book which gives the reader the possibility to look beyond the bare words into the hearts of the characters.

 

Conclusion

 

I think Emma Hooper wrote a magical book. I really love her writing and that the story is so unreal but so touching. That it gave me the possibility to have my own interpretations and speculations. A book about desires, unfulfilled dreams, love and longing, about the past and memories and live itself. A book which gave me the possibility to look beyond bare words and which entertained me. But I really hate the ending. It so open and my own head really has some bad thoughts about what happened. That’s why I give four out of five stars. It was a quick and easy read but also one that will stay in my heart and memory for a long time.

Ein Wechselbad der Gefühle

Einfach unvergesslich: Roman - Rowan Coleman

Was wäre, wenn dir plötzlich der Name deiner erstgeborenen Tochter nicht mehr einfällt? Oder dein Alter, das Gesicht des Ehemannes, deine Adresse? Wenn es für dich kein Gestern mehr gibt sondern nur noch den Zauber einzelner Momente?

 

Meinung

 

Geschichte

 

Claire weiß einfach nicht mehr, wie diese Schuhe funktionieren. Welcher Schuh gehört noch mal zu welchem Fuß? Und wie funktioniert eigentlich dieses komische Schreibdings oder das Teil, durch das man andere Stimmen hört wenn man Tasten drückt? Wie heißt das Gemüse auf dem Herd und wie funktioniert ein Reißverschluss?

 

„Ich will, dass sie die Schuhe bekommt, und ich hoffe, dass sie an mich denken wird und sich daran erinnern wird, dass ich mir wirklich allergrößte Mühe gegeben habe, ihr eine perfekte Mutter zu sein, und dass es mir leidtut, dass ich versagt habe.“ (S. 255)

 

Claire hat Alzheimer, genau wie ihr Vater damals. Und die Krankheit schreitet deutlich schneller voran, als jeder gedacht hatte. Doch sie kämpft – auf Trübsal blasen hat sie keine Lust. Und um für sich und ihrer Familie ein Stück von sich und von ihrem Leben zu bewahren, schreibst sie ein Erinnerungsbuch um den Zauber der besonderen Momente in ihrem Leben für immer festzuhalten.  Immer mit dem Wissen, dass diese Gedanken bald das einzige sind, was ihr von ihrer Familie und von sich bleibt. Doch dabei muss sie noch so viel erledigen. Sie muss sich mit ihrer Tochter aussprechen, ihrem Mann zeigen, wie er für die kleine Esther die Lasagne richtig kocht. Sie will noch einmal leben, sich vielleicht neu verlieben, frei sein.

 

„Ich habe Angst vor dem Tag, an dem ich vor ihr stehe und sie nicht mehr weiß, wer ich bin. An dem sie vergessen hat, wozu ich eigentlich da bin, genau wie das Lenkrad in ihrem Auto.“ (S. 61)

 

Ich erlebte, wie Claire versucht das beste aus ihrer Situation zu machen, noch einmal zu leben und alle offenen Geheimnisse und Fragen zu klären, bevor sie vollkommen hinter diesem grauen Nebel des Vergessens verschwunden ist. Dabei ist die Geschichte sehr traurig und berührend, ein Wechselbad der Gefühle, bei dem Lachen und Weinen Hand in Hand gehen. Denn Claire versucht ihre Situation mit so viel Galgenhumor wie möglich zu nehmen, was mich immer wieder zum Schmunzeln bringen konnte. Dadurch wurde die Geschichte insgesamt leichter verdaulich und hatte trotz ihrer Härte und Tragik auch etwas Leichtes an sich, dass mich direkt ins Herz getroffen hat. Rowan Coleman schafft es auch, mich am Schluss mit einer Wendung zu überraschen, zu der ich zwar vorher schon meine Spekulationen hatte, aber vollkommen falsch lag und umso berührtet war.

 

„Er ist mein Mann, der Mann, vor dem ich nie genug kriegen können sollte. Ich weiß das, und doch ist er ein Fremder für mich.“ (S. 102)

 

Schreibstil

 

Das Buch ist in der Ich-Perspektive geschrieben. Die Geschichte ist überwiegend aus der Sicht von Claire und ihrer Tochter Caitlin erzählt. Zwischenrein gibt es neben den Momenten in der Gegenwart aber immer wieder Erinnerungen. Erinnerungen die Claire, Caitlin, Claire’s Ehemann Greg und ihre Mutter Ruth in Claire’s Erinnerungsbuch schreiben. Das hat das Buch ganz Besonders für mich gemacht. Denn so konnte ich auch hinter die Fassaden ihrer Tochter, ihres Mannes und ihrer Mutter sehen. Ich spürte dadurch hautnah, wie verzweifelt alle versuchen Claire zu helfen und für sie stark zu sein und wie sehr sie selber darunter Leiden und auch, wie sehr sie alle Claire lieben, auch wenn sie es nicht immer zeigen und transportieren könne. Es war beklemmend und berührend eine Geschichte zu lesen, aus der Sicht einer Person, die mit jedem Tag ein Stückchen mehr von sich selber vergisst und von der Welt um sie herum. Und zu erleben, wie sie immer wieder wegdriftet, der Nebel sich legt und wie es ihrer Familie damit geht, welche Hoffnungen und Ängste alle haben.

 

Charaktere

 

Wir erleben, wie Claire nach und nach sich selbst verliert und wie ihre Familie und sie selbst damit umgehen und zu kämpfen versuchen. Alle Charaktere sind dabei authentisch, facettenreich und gefühlvoll gezeichnet. Ich konnte alle in mein Herz schließen und mich in jeden hineinversetzten, mit jedem mitleiden und -hoffen. Auch wenn beispielsweise Ruth, Claires Mutter, zunächst kalt rüber kam, merkte man in ihren Kapiteln, wie es tief in ihr drinnen aussieht. Ebenso wie bei allen anderen. Jeden konnte ich während des Lesen immer mehr verstehen und liebgewinnen.

 

„Und ich weiß, dass es das Letzte ist, was sie möchte: ihre Tochter genauso vergehen und verkümmern zu sehen wie ihren Mann.“ (S. 19)

 

Fazit

 

Einfach unvergesslich behandelt keine einfache Geschichte. Dennoch schafft es Rowan Coleman das Thema Alzheimer so zu verpacken, dass das Buch trotzdem eine gewisse Leichtigkeit behält, die mich berührte. Es versrahlt Liebe und Hoffnung und zeigt, wie wichtig die kleinen Momente im Leben sind und ganz besonders, wie wichtig die eigene Familie ist. Es war ein Wechselbad der Gefühle, ich konnte Lachen und Weinen, eine perfekt gelungene Mischung. Der Schreibstil war schlicht, aber emotional und einnehmend. Die Charaktere authentisch, facettenreich, gefühlvoll. Eine absolute Leseempfehlung und fünf verdiente Sterne.

Eine Geschichte die berührt

Während die Welt schlief: Roman (German Edition) - Susan Abulhawa, Stefanie Fahrner

Jeden morgen, bei Sonnenaufgang, liest Amals Vater ihr aus den Werken großer Dichter vor. Diese Momente des Friedens und der Hoffnung trägt Amal ihr ganzes Leben im Herzen. Ihrem Leben, das in einem Flüchtlingslager begann und sie später nach Amerika führt. Immer geprägt vom Konflikt zwischen Israel und Palästina.

 

„Jahrzehnte später, an einem trostlosen Februarmorgen in Pannsylvania, sollten Gibrans eindringliche Verse und die Erinnerung an Babas weichen Bariton mein einziger Trost sein.“ (S. 86)

 

Meinung

 

„‚Seltsam‘, dachte sie, ‚woran man denkt, wenn man sich in diesem Grenzbereich zwischen Leben und Tod aufhält’.‘’ (S. 7)

 

Während die Welt schlief erzählt die Geschichte einer palästinensischen Familie über vier Generationen hinweg. Die aus Ein Hod, ihrer Heimat durch die Israels vertrieben wurden. Wir erleben, wie sich Amals Eltern kennen und lieben Lernen, ihre Geschwister bekommen, einen ihrer Brüder verlieren und vertrieben werden. Sie landen im Flüchtlingslager Jenin, in dem Amal später zur Welt kommt. Durch ihre Augen erfahren wir, wie es der Familie in den Zeiten der Vertreibung und des Krieges ergeht und was aus Amal und ihrer Familie wird.

 

Das Buch ist so unfassbar traurig und berührend und gleichzeitig schön. Schön unter anderem aufgrund des emotionalen, tiefgründigen und bildhaften Schreibstils, der mir unter die Haut ging und mich von der ersten Seite an mitriss. Die Vorgeschichte und die Kapitel, die nicht Amal begleiten, sind in der dritten Person geschrieben. Amal selber erzählt uns in der Ich-Perspektive von ihrem harten Schicksal. Gekonnt baut Susan Abulhawa immer wieder kleine, offene Hinweise auf spätere Gegebenheiten ein, die mich als Leser immer tiefer in die Geschichte sogen und das Buch zu einem PageTurner machen.

 

Die Charaktere waren allesamt stark, authentisch, einzigartig, kraftvoll und doch zu zerbrechlich und machen für mich das Buch zu etwas ganz Besonderem. Hautnah erleben wir ihre Zerrissenheit zwischen Trauer, Wut, Zorn, Verzweiflung aber auch Liebe, Zukunftsträumen und Hoffnung.

 

„Die Bescheidenheit ihres größten Wunsches bringt mich noch heute zum Weinen.“ (S. 169)

 

Unfassbar traurig und berührend ist Während die Welt schlief, aufgrund seiner Geschichte. Zwar sind die Charaktere und die Geschichte rund um die Charaktere fiktiv. Doch die Geschehnisse in Israel und Palästina und der Konflikt sind seit Jahrzehnten real. Diese Tatsache hat das Buch ganz besonders hart für mich gemacht. All diese grausamen Inhalte von Krieg, Tod, Terror, Folter, Massakern und zerbrochenen Familien geschehen wirklich und zwar heute noch tagtäglich im nahen Osten und erschüttern mich zutiefst. Konflikte, von denen im Buch eigentlich keiner mehr weiß, warum dies alles nur passiert. Und vermutlich ist dies auch im wahren Leben so – ein Kreislauf der Gewalt und der Rache, der kein Ende zu nehmen scheint.

 

Während die Welt schlief hat mich aber auch positiv berührt. Denn trotz all dem Horror, den Amal und ihre Familie und Freunde durchmachen, gibt es immer wieder Momente des Friedens, der Liebe, des Glücks und der Hoffnung. Ein Stück Normalität in diesen harten Zeiten. Eine gelungene Mischung aus dieser tiefer Not, diesem menschenunwürdigen Leben und Familie, Freunde, Beständigkeit, Geborgenheit und Hoffnung.

 

„Der kalte Stahl drückte gegen ihre Stirn. Ihre Erinnerungen zogen sie in die Vergangenheit, in eine längst verblasste Zeit, in eine Heimat, die sie nie gekannt hatte.“ (S. 8)

 

Fazit

 

Ein berührendes, emotionales Buch mit starken, kartvollen und gleichzeitig zerbrechlichen Charakteren das mich zu Tränen gerührt hat. Es ist nicht alleine die Geschichte von Amal und ihrer Familie, die rein fiktiv ist, sondern auch die Tatsache, dass die Geschehnisse in diesem Nahost-Konflikt wirklich passieren – das Leben deren Einwohner, egal auf welcher Seite, besteht aus Krieg, Angst, Tod, Terror und nicht selten auch Massakern. Dies machte das Buch für mich ganz besonders hart und grausam. Gleichzeitig strahlt es dennoch auch Hoffnung aus und zeigt, wie wichtig Liebe und Familie und ein kleines bisschen Normalität sein kann. Das Buch hat mich tief berührt, es war schmerzhaft und doch schön und wird mich lange nicht mehr loslassen.

Ein Buch, das man nur schwer in Worte fassen kann

Hirngespenster - Ivonne Keller

Silvie erwacht nach einem Unfall und ist nun gefangen in ihrem eigenen Körper. Einst war sie lebenshungrig, mit Mann und zwei Kindern. Anna, ihre Schwester, die jahrelang kurz vor einem Zusammenbruch stand, ist scheinbar verschwunden. Und ihre Rivalin Sabine pflegt auf einmal Silvie

Meinung

 

„Stattdessen hänge ich meinen Erinnerungen nach und denke darüber nach, was geschehen ist, seit ich Anna das letzte Mal sah. Und wann es begann, dass sie mir zusehends entglitt.“ (S. 26)

 

Hirngespenster hat mich sprachlos hinterlassen und es ist wirklich schwer, das Buch in Worte zu fassen, ohne zu viel zu verraten. Deswegen werde ich nicht auf die Handlung und Geschichte an sich eingehen, sondern nur meine allgemeinen Eindrücke wiedergeben. Das, wass oben als Inhaltsangabe steht, reicht vollkommen. Der Rest wirkt nur, wenn ihr das Buch selber lest.

 

Der Schreibstil war schlicht, aber ergreifend und hat mich von der ersten Seite an gefangen. Das Buch ist dabei sehr abwechslungsreich. Wir haben die drei Frauen Silvie, Anna und Sabine. Die Kapitel wenden sich abwechselnd den dreien zu. Dabei sind Silvie’s Kapitel in der Ich-Perspektive erzählt, Annas und Sabines hingegen in der dritten Person. Dennoch kommt keine zu kurz. Alle sind gleich wichtig und erzählen uns jede ihre eigene Geschichte, die doch alle drei zusammen gehören und sich zum Schluss des Buchs schlüssig zusammenfügen.

 

Die Charaktere sind alle authentisch, mit ihren positiven und negativen Seiten. Ich fand keine der drei wirklich so richtig sympathsich, alle haben Dinge getan, die ich nicht gut heiße. Aber sie sind stark gezeichnet, als wären sie keine Romanfiguren sondern echte Menschen und ich konnte das Handeln, die Gefühle und die Gedanken von allen nachvollziehen und mich in all ihre Situationen hineinversetzen. Auch die Nebencharaktere waren alle gut gezeichnet, kein einziger war zu blass. Olga schafft es immer wieder, die doch sehr düstere und traurige Geschichte aufzulockern und brachte mich häufig zum Lachen. So hat das Buch doch einen leichten Eindruck hinterlassen.

 

Die Geschichte hat mich von Beginn an gefesselt. Immer wieder kamen neue Fragen auf, die ich unbedingt beantwortet haben wollte. Ich hatte einen typischen Roman erwartet und habe eine Mischung aus Roman, Krimi und Thriller bekommen. Ein Plot, der von Anfang bis Ende spannend war, immer wieder verwirrte, immer wieder Fragen aufwarf und unerwartete Wendungen brachte.

 

Fazit

 

Das Buch bekommt eine hundertprozentige Leseempfehlung von mir. Die Charaktere sind zwar nicht unbedingt alle sympathisch, aber stark und authentisch. Ich konnte mich in sie hineinversetzten. Der Schreibstil konnte mich überzeugen und die Mischungen der verschiedenen Erzählstränge- und Perspektiven sorgten für Abwechslung und machen etwas Besonders aus dieser Geschichte. Es war ein berührendes Buch, das mich zum Nachdenken brachte und immer wieder spannende Wendungen bereit hielt. Das Ende hat mich dann komplett von den Socken gehauen und wird mich noch eine Weile zum Grübeln bringen. Verdiente fünf von fünf Sternen.

Hoffnung und Glück in einer bedrohten Umwelt

Das Flugverhalten der Schmetterlinge: Roman - Barbara Kingsolver, Sylvia Spatz

Dellarobia Turnbow, Mutter zweier Kinder, tritt an einem Novembermorgen die Flucht an. Sie ist wild entschlossen, endlich ein neues Leben zu beginnen und kehrt ihrer Familie und dem Farmhaus den Rücken um sich in ein Abenteuer zu stürzen. Doch unterwegs wird sie von einem kalten Feuer überrascht. Millionen von orangefarbenen Monarchfaltern haben sich auf den Bäumen zum Überwintern niedergelassen. Darin sieht sie ein Zeichen und kehrt zurück nach Hause und schon bald werden Dellarobia und die Schmetterlinge zu einer nationalen Attraktion. Erst von dem Biologen Ovid Byron, der noch dazu sehr attraktiv ist, erfährt sie, was sich hinter diesem wundervollen Anblick verbirgt…

 

Meinung

 

Schreibstil

 

Barbara Kingsolver erzählt die Geschichte von Dellarobia und den Schmetterlingen in der dritten Person. Sie hat einen wirklich einnehmenden, sehr detailreichen und anschaulichen Schreibstil, der dennoch nicht zu abgedroschen oder überladen ist und konnte mich von der ersten Seite an  packen.

 

Charaktere und Geschichte

 

„Realistisch betrachtet war ihre Familie schrottreif. Wie ein Auto, das sich um einen Telefonmast gewickelt hat, ein Totalschaden, nicht mehr zu retten.“ (S. 8)

 

Ich mochte unsere Hauptprotagonistin, Dellarobia, sehr. Sie wuchs mir im Laufe der Geschichte mehr und mehr ans Herz. Sie ist liebenswert und ehrlich und will ihr eigenes Glück finden und aus dem Alltagstrott entfliehen. Sie hat Cub, ihren Mann, einfach viel zu früh geheiratet und fühlt sich jetzt, als hätte sie ihr Leben verpasst. Sie ist sehr klug und talentiert, doch lebt nur als Mutter und Hausfrau auf einer Farm und versteht sich mit ihrer Schwiegermutter, die alle wie Kinder behandelt und sie wie jemanden, der nicht dazugehört, überhaupt nicht. Trotzdem kümmert sie sich liebevoll um ihre zwei kleinen Kinder und würde alles für sie geben.

 

Eines Tages will sie endgültig aus diesem Alltag entfliehen, auf eine Art, die ich nicht gut finde, die sie aber auch selber eigentlich gar nicht will. Auf dem Weg sieht sie die Schmetterlinge, die sie zunächst als ein Zeichen deutet und kehrt deshalb nach Hause zurück. Zunächst glauben alle an ein Wunder, doch Dellarobia wird sehr bald durch den Biologen Ovid aufgeklärt, was diese Naturphänomen wirklich bedeutet. Zunehmend wächst ihr Interesse an dem merkwürdigen Verhalten der Monarchfalter und sie entdeckt ihren Drang nach Wissen und zum Forschen und ein Stück weit sich selbst und beginnt zu begreifen, was sie mit ihrer Zukunft anfangen möchte. Dank der Monarchfalter entwickelt sich nicht nur Dellarobia weiter, sondern ihre ganze Familie.

 

„In ihr hatte sich etwas aufgetan, und sie hatte das Gefühl, wie jener Jeep auf dem Eis der Katastrophe nicht entgehen zu können und hineinzustürzen.“ (S. 31)

 

Das Buch ist eine wundervolle Geschichte, in der Hoffnung und Glück in einer gefährdeten Welt immens wichtig sind. Sie bettet das kritische und wichtige Thema des Umweltschutzes und der globalen Klimaerwärmung in eine Geschichte einer Frau ein, die auf der Suche nach sich selbst ist. Sie beschäftigt sich neben der Geschichte und dem Problem, das hinter den wundervollen Anblick der Schmetterlinge steckt, auch mit den Schwierigkeiten des Alltags, eines festgefahrenen Lebens und der Sehnsucht nach Leben und dem Erfüllen der eigenen Wünsche und Träume. Darüber hinaus behandelt das Buch die Frage, warum die Monarchfalter überhaupt nach Tennessee gekommen sind. Bei der Dellarobia den Wisschenschaflter Ovid tatkräftig unterstützt. Barbare Kingsolver schaffte es, das Thema der Klimaveränderung, des Umweltschutzes und Naturkatastrophen geschickt in diese Suche nach dem Selbst einzufädeln. Das brachte mich als Leser viel zum Nachdenken, wirkt aber nicht zu erdrücken.

 

Fazit

 

Der Schreibstil von Kingsolver ist ausdrucksstark und einnehmend. Ein Buch, dass das Thema Klimaerwärmung und die große Suche nach sich Selbst und dem Wunsch nach Selbstverwirklichung und der Erfüllung der eigenen Träume geschickt kombiniert. Ein Buch, dass mich berührte, unterhielt und zum Nachdenken brachte. Zwischenzeitlich hatte es aber etwas lange Stellen und es fühlte sich an, als würde die Handlung feststecken. Insgesamt konnte mich das Buch aber von sich überzeugen und bekommt vier Sterne und eine Leseempfehlung.

 

 

Etwas vorhersehbar aber bezaubernd

Dein eines, wildes, kostbares Leben - Jessi Kirby

„Sag mir, was hast du vor mit deinem einen, wilden kostbaren Leben?“

 

Parker Frost Englischlehrer stellt diese Frage, als sie 17 Jahre alt ist. Und hab diesem Zeitpunkt steht Parker vor einem Dilemma. Sie weiß, was man von ihr erwartet – lernen, gute Noten schreiben und ihr Medizinstudium in Stanford beginnen. Mit dem Stipendium, das zu Ehren von Julianne und Shane eingerichtet wurde, die zehn Jahre zu vor bei einem Autounfall ums Leben kamen. Aber sie weiß nicht mehr, ob sie das auch wirklich will.

 

Meinung


Schreibstil

 

Der Schreibstil von Jessi Kirby ist sehr einfach aber flüssig. Leider glaube ich, hat diese sBuch bei der Übersetzung etwa an Tiefe verloren und der eine oder andere grammatikalische Fehler hat sich eingeschlichen. Durch die leichte Art zu schreiben und die Verbindung zu Robert Frost, dessen Zitate nicht nur die Namen der Kapitel sind sonder auch immer wieder in die Handlung einfließen, gewinnt das Buch aber wieder deutlich dazu und konnte mich von der ersten Seite an mitziehen

.

Charaktere und Geschichte

 

Parker Frost ist 17 Jahre alt, macht, was von ihr erwartet wird, ist eher schüchterner und hat lieber alles vorausgeplant, statt mal etwas zu wagen. Kat, ihre beste Freundin, ist das genaue Gegenteil. Sie hat keinen große Plan von ihrer Zukunft und ihr Lebensmotto ist Carpe Diem. Sie nimmt Gelegenheiten war und lebt das Leben und versucht Parker immer wieder dazu zu bringen, sich auch einmal gehen zu lassen.

 

„Sie meinte, ich solle etwas Unerwartetes tun, woran ich mich später erinnern könnte. Eine Erfahrung anstelle eines Ziels.“ (S. 37)

 

Beide sind sehr liebenswürdige und gut gezeichnete Charaktere, denen es zwar etwas an Tiefe fehlt, was aber passend ist, da sie beide kurz vor ihrem Abschluss stehen und ihren Weg und sich erst noch finden müssen.

 

Und darum geht es auch in diesem Buch. Darum, sich selbst zu finden und zu entscheiden, was man nun mit seinem einen Leben anfangen will. Dabei geht Parker immer den vorhersehbaren Weg, bis sie eines Tages an das Tagebuch von Julianna kommt und beginnt darin zu lesen. Denn ihr scheinbar perfektes Leben und ihre perfekte Beziehung zu Shane, scheint auf einmal ganz anders. Parker beginnt, endlich einmal von ihrem bestimmten Weg abzuweichen und versucht herauszufinden, was damals, in der Nacht des Unfalles wirklich geschah. Dabei erleben wir eine Reise durch die Vergangenheit von Julianna die gleichzeitig zu einer Reise von Parker wird, bei der sie sich selbst ein Stück findet und darauf stößt, was sie wirklich mit ihrem einen, wilden, kostbaren Leben anfangen will.

 

Die Geschichte wird aus Parkers Sicht erzählt und wird immer wieder von den Tagebucheinträgen von Julianna unterbrochen. Das hat die Geschichte aufgelockert, ihr etwas Tiefe verliehen und auch etwas Spannung. Zugleich konnte man sowohl Julianna als auch Parker näher kennen lernen und einen Teil ihres wahren Ichs und ihrer großen Träume erkennen. Denn die Geschichte ist auch die Suche nach Träumen, eine Geschichte die davon handelt, was es bedeutet Entscheidungen zu treffen, egal ob diese gut oder schlecht sind, und zu ihnen zu stehen. Insgesamt war sie zwar etwas vorhersehbar aber dennoch hat sie mich gut unterhalten und verzaubert und mich über meine Träume und die Frage, was ich mit meinem einen, kostbaren, wilden Leben anstellen will nachdenken lassen.

 

„Das Leben besteht aus vielen flüchtigen Momenten. Und aus Entscheidungen. Nicht alle sind wichtig oder von dauerhafter Bedeutung. […] Dann gibt es diese andere Art von Moment. Die, in der unsere Entscheidungen die Dinge unwiderruflich ändert“ (S. 7)

 

Fazit

 

Ein einfach geschriebene, aber dennoch berührende und mit Robert Frost Zitaten gespickte Geschichte von der Suche nach den eigenen Träumen, dem eigenen Ich und dem eigenen Weg. Mit liebenswerten Charakteren, leicht vorhersehbar aber dennoch berührend un verzaubernd. Mit kleinen Abstrichen und dem Ende, dass mir doch etwas zu sehr Klischee und oberflächlich war, kann ich diesem Buch verdiente vier Sternen geben.