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Fiktion und Fakten gekonnt vermischt

Madame Picasso: Roman - Anne Girard, Yasemin Dinçer

Die junge Eva kommt in die schillernde Metropole Paris, im Jahr 1911, um sich ein neues Leben aufzubauen. Im Herzen der Bohème verliebt sie sich in den überaus talentierten Ausnahmekünstler Pablo Picasso. Trotz aller Widerstände erwidert er ihre Gefühle und es beginnt eine der großen Liebesgeschichten des Jahrhunderts. Eva wird nicht nur Picassos Halt, seine Liebe, sondern auch seine Muse. Ihr Kennenlernen wird ihrer beider Leben für immer verändern.

 

Meinung

 

Schreibstil

 

Das Buch begleitet sowohl Eva, als auch Picasso und später beide gemeinsam und ist in der dritten Person geschrieben. Der Schreibstil ist einnehmend, dennoch schlicht, gespickt von französischen Ausdrücken und Redewendungen, gespickt von Kunst, Kultur und einem Hauch Lyrik passend zur damaligen Zeit.

 

„Pablo Picasso war eine Naturgewalt, mächtig wie ein Orkan, und heute war sie den glorreichem Zentrum jenes gewaltigen Sturms, den sie vor sich ahnte, nahe gekommen.“ (S. 131)

 

Geschichte  und Charaktere

 

Wir erleben gemeinsam ein Stück von Evas Leben, wie sie in Paris ein neues Leben beginnen möchte, wie sie kämpft und was sie sich alles aufbaut. Und wir erleben den Beginn von Picassos Ruhm, seinen Kampf damit, seinen Kampf mit der Vergangenheit, seinen Dämonen, seiner bereits zum Scheitern verurteilten Beziehung mit Fernande. Anne Girard schaffte es, Picasso, Eva, Fernande und all die andern großen Künstler, Dichter und Lyrik wundervoll authentisch und detailgetreu zu Zeichen. Ich fühlte mich, als würde ich über den wahrhaften Picasso lesen.

 

„Pablo Picasso war ein komplexes Genie, ebenso machtvoll in seiner Leidenschaft wie in seiner Wut, und sie wusste eins mit Sicherheit: Sie hatte sich Hals über Kopf in diesen Mann verliebt […]“ (S. 266)

 

Eva ist eine sehr beeindruckend und starke Persönlichkeit, die Anne Girard wirklich gut getroffen hat, und Details zu ihrem Leben, ihren Gefühlen und ihrer Liebe zu Picasso gekonnt mit den Gefühlen und dem Leben von Picasso selbst verwoben hat. Und das, obwohl nur wenig über Eva Gouel bekannt ist. Auch Picasso hat Anne Girard treffend gezeichnet und einen Blick hinter die chaotische, unnahbare Fassade, die die Welt von ihm kennt, gebracht. Die Geschichte ist sehr berührend und an vielen Stellen voller Leidenschaft zwischen Eva und Pablo und der Leidenschaft zur Kunst.

 

„In seinem Kopf und in seinem Herzen war Eva so vieles, sie war Marcelle, sie war Eva, war Näherin, Kostümbildnerin, exotische Geisha, Polin, Französin, sinnlich, zart, aufrichtig – und ganz und gar vollkommen.“ (S. 257)

 

Anne Girard hat einen Hauch Fiktion geschickt mit der Realität und den wahren Fakten, die rund um Picasso, seine Werke, seinen Freundeskreis und sein Leben bekannt sind, vermischt. Das Buch konnte mich immer bei Laune halten und hatte nur selten kleine Stellen, die etwas lang waren. Ich mochte es sehr und habe Lust bekommen, mehr über die damalige Zeit, Kunst und Lyrik zu erfahren.

 

Irgendwie hat es mich aber nicht komplett einnehmen können, nicht ganz bewegen und ergreifen können, wie es eine der größten Liebesgeschichten des Jahrhundert hätte tun können. Ich kann leider nicht einmal genau sagen warum, vielleicht weil es trotz des einnehmenden Schreibstil viel Geschichte rüberbrachte und nur in wenigen Stellen die Liebe zwischen Eva und Picasso so tiefgründig und unbegrenzt, wie sie war, bei mir ankam. Vielleicht auch daran, dass es dem Schreibstil hin und wieder etwas daran fehlte, die Atmosphäre im damaligen Paris wirklich vollkommen zu transportieren.

 

Fazit

 

Anne Girard schaffte es, einen Hauch Fiktion mit viel bekannten, wahren Fakten aus Picassos Leben zu vermischen. Obwohl nur wenig über seine große Liebe Eva Gouel bekannt ist, konnte Anne Girard deren beider Leben und Liebe gekonnt rüberbringen und lässt keinen Moment zweifeln, dass es eventuell nicht ganz so geschrieben ist, wie es wirklich war. Der Schreibstil war zu großen Teilen eher schlicht aber dennoch einnehmend. Mir hat nur hin und wieder etwas die Leidenschaft gefehlt, die an manchen Stellen so wunderbar aufflammte. Ab und an flachtet der Stil etwas ab, und konnte die Atmosphäre nicht mehr ganz so gut transportieren. Dennoch konnte mich Anne Girard mit Madame Picasso und der Art, wie realitätsnah und authentisch sie die Geschichte erzählt für sich gewinnen, weshalb ich vier Sterne vergebe.