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Eine Geschichte die berührt

Während die Welt schlief: Roman (German Edition) - Susan Abulhawa, Stefanie Fahrner

Jeden morgen, bei Sonnenaufgang, liest Amals Vater ihr aus den Werken großer Dichter vor. Diese Momente des Friedens und der Hoffnung trägt Amal ihr ganzes Leben im Herzen. Ihrem Leben, das in einem Flüchtlingslager begann und sie später nach Amerika führt. Immer geprägt vom Konflikt zwischen Israel und Palästina.

 

„Jahrzehnte später, an einem trostlosen Februarmorgen in Pannsylvania, sollten Gibrans eindringliche Verse und die Erinnerung an Babas weichen Bariton mein einziger Trost sein.“ (S. 86)

 

Meinung

 

„‚Seltsam‘, dachte sie, ‚woran man denkt, wenn man sich in diesem Grenzbereich zwischen Leben und Tod aufhält’.‘’ (S. 7)

 

Während die Welt schlief erzählt die Geschichte einer palästinensischen Familie über vier Generationen hinweg. Die aus Ein Hod, ihrer Heimat durch die Israels vertrieben wurden. Wir erleben, wie sich Amals Eltern kennen und lieben Lernen, ihre Geschwister bekommen, einen ihrer Brüder verlieren und vertrieben werden. Sie landen im Flüchtlingslager Jenin, in dem Amal später zur Welt kommt. Durch ihre Augen erfahren wir, wie es der Familie in den Zeiten der Vertreibung und des Krieges ergeht und was aus Amal und ihrer Familie wird.

 

Das Buch ist so unfassbar traurig und berührend und gleichzeitig schön. Schön unter anderem aufgrund des emotionalen, tiefgründigen und bildhaften Schreibstils, der mir unter die Haut ging und mich von der ersten Seite an mitriss. Die Vorgeschichte und die Kapitel, die nicht Amal begleiten, sind in der dritten Person geschrieben. Amal selber erzählt uns in der Ich-Perspektive von ihrem harten Schicksal. Gekonnt baut Susan Abulhawa immer wieder kleine, offene Hinweise auf spätere Gegebenheiten ein, die mich als Leser immer tiefer in die Geschichte sogen und das Buch zu einem PageTurner machen.

 

Die Charaktere waren allesamt stark, authentisch, einzigartig, kraftvoll und doch zu zerbrechlich und machen für mich das Buch zu etwas ganz Besonderem. Hautnah erleben wir ihre Zerrissenheit zwischen Trauer, Wut, Zorn, Verzweiflung aber auch Liebe, Zukunftsträumen und Hoffnung.

 

„Die Bescheidenheit ihres größten Wunsches bringt mich noch heute zum Weinen.“ (S. 169)

 

Unfassbar traurig und berührend ist Während die Welt schlief, aufgrund seiner Geschichte. Zwar sind die Charaktere und die Geschichte rund um die Charaktere fiktiv. Doch die Geschehnisse in Israel und Palästina und der Konflikt sind seit Jahrzehnten real. Diese Tatsache hat das Buch ganz besonders hart für mich gemacht. All diese grausamen Inhalte von Krieg, Tod, Terror, Folter, Massakern und zerbrochenen Familien geschehen wirklich und zwar heute noch tagtäglich im nahen Osten und erschüttern mich zutiefst. Konflikte, von denen im Buch eigentlich keiner mehr weiß, warum dies alles nur passiert. Und vermutlich ist dies auch im wahren Leben so – ein Kreislauf der Gewalt und der Rache, der kein Ende zu nehmen scheint.

 

Während die Welt schlief hat mich aber auch positiv berührt. Denn trotz all dem Horror, den Amal und ihre Familie und Freunde durchmachen, gibt es immer wieder Momente des Friedens, der Liebe, des Glücks und der Hoffnung. Ein Stück Normalität in diesen harten Zeiten. Eine gelungene Mischung aus dieser tiefer Not, diesem menschenunwürdigen Leben und Familie, Freunde, Beständigkeit, Geborgenheit und Hoffnung.

 

„Der kalte Stahl drückte gegen ihre Stirn. Ihre Erinnerungen zogen sie in die Vergangenheit, in eine längst verblasste Zeit, in eine Heimat, die sie nie gekannt hatte.“ (S. 8)

 

Fazit

 

Ein berührendes, emotionales Buch mit starken, kartvollen und gleichzeitig zerbrechlichen Charakteren das mich zu Tränen gerührt hat. Es ist nicht alleine die Geschichte von Amal und ihrer Familie, die rein fiktiv ist, sondern auch die Tatsache, dass die Geschehnisse in diesem Nahost-Konflikt wirklich passieren – das Leben deren Einwohner, egal auf welcher Seite, besteht aus Krieg, Angst, Tod, Terror und nicht selten auch Massakern. Dies machte das Buch für mich ganz besonders hart und grausam. Gleichzeitig strahlt es dennoch auch Hoffnung aus und zeigt, wie wichtig Liebe und Familie und ein kleines bisschen Normalität sein kann. Das Buch hat mich tief berührt, es war schmerzhaft und doch schön und wird mich lange nicht mehr loslassen.