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Als wir unsterblich waren: Roman by Roth, Charlotte (2014) Taschenbuch - Charlotte Roth

Berlin, November 1989. Der Tag des Mauerfalls. Die Junge Studentin Alexandra lässt sich von ihrer Freundin Maike mit zur Grenze ziehen, um diesen Tag des Umbruchs, diesen Tag, der in die Geschichte einging, hautnah zu erleben. Doch sie werden getrennt und sie geht unter in der Menschenmasse. Dort trifft sie auf einen jungen Mann aus Westberlin und beide wissen, sie gehören zusammen.

 

Berlin, kurz vor dem ersten Weltkrieg. Paula ist zu Beginn 16 Jahre, mutig und setzt sich schon früh für Frauen- und Arbeiterrechte ein. Die Träume von einer neuen, gerechten Welt teil sie mit dem beliebten und charismatischen Studentenführer Clemens, mit dem sie Seite an Seite kämpft und den sie unsterblich liebt.

 

Meinung

 

Schreibstil

 

Die Geschichte wird durch Charlotte Roth in zwei Zeitsträngen erzählt. Berlin im Jahre 1989 und Berlin in den 1910er bis 1930er Jahren. Zeiten des Aufruhrs und Umbruchs. Die Stränge sind mit vielen Details und einer klaren und kraftvollen Sprache, die einen mitten ins Geschehen fallen lässt, verbunden. Besonders gut haben mir die Zitate vor jedem neuen Zeitabschnitt und die Verbindungen von damals zu 1989 gefallen. Denn jeder letzte Satz aus Paulas Zeit ist zugleich der erste Satz in Alexandras Zeit.

 

Geschichte und Charaktere

 

„Es war der 9. November 1989, einer jener Tage, von denen es später hieß, sie seine in die Geschichte eingegangen. Für die ganze Welt wurde es der Tag, an dem die Berliner Mauer fiel, und danach war nichts mehr wie vorher. Für Alex blieb es der Tag, an dem sie Oliver traf, doch auch für sie war danach nichts mehr wie vorher, kein Stein auf dem anderen und keine Wand mehr intakt.“ (S. 20)

 

Die Geschichte beginnt am Tag des Mauerfalls. Alexandra hat keine Eltern und lebt bei ihrer Momi. Von ihr hat Alex eine alte, unerklärlich Angst vor Menschen, Veränderung und Menschenmassen geerbt und lebt ihr Leben kaum. Doch am Tag des Mauerfalls überredet ihre Freundin Maike sieh, die Geschichte hautnah mitzuerleben und sie machen sich auf zur Grenze. Schnell werden sie in den Massen getrennt und Alex gerät in Panik, bis Oliver, ein junger Mann aus Westberlin, ihr zur Hilfe kommt. Sie verlieben sich sofort und verbringen ein paar wundervolle Wochen voller Glück zusammen.

 

Dann nimmt Alex Oliver mit zu ihrer Momi. Als sie ihn sieht und dann noch seinen Namen, Oliver Schramm hört, gerät sie in einen Schockzustand. Sie kann nur noch stottern und schreien „Nein, nicht Schramm, nicht Schramm“ und erleidet vor Schreck einen Herzinfarkt.

 

Von nun an versucht Alex herauszufinden, warum Oliver sie so erschreckt hat und wer dieser Schramm eigentlich war und vor allem, wer ihre Momi war. Ihre Momi, die eigentliche Paula heißt, kann das Leben nicht loslassen, bevor sie nicht mit etwas Schlimmen aus ihrer Vergangenheit abschließt und schließlich erzählt sie Alex ihre Geschichte.

 

Der Großteil des Buches spielt im Leben von Paula in den Zeiten kurz vor, während und nach dem ersten Weltkrieg. Zeiten parteipolitischer Auseinandersetzungen, großer Enttäuschungen, Hunger, Not und Leid. Charlotte Roth schafft es sehr geschickt, historische Ereignisse mit dem Leben von damals und der Geschichte rund um Paula und Clemes und ihrer große Clique und deren Familien zu vermischen. Dadurch fühlte ich mich, als würde ich jeden Moment an Paulas Seite stehen. Ich tauchte ein in diese harte und grausame Zeit, die doch immer wieder Lichtblicke hatte. Eine Zeit geprägt von der Ausbeutung der Arbeiter, von Krieg, Tod, Schuld und Hungersnot. Wichtige Dinge aus Paulas Leben waren auch in den kurzen Erzählungen im Jahr 1989 dabei, wie Kuttes Kaffeeschild, Bratkartoffeln mit Mettwurst oder ein Gipsarm aus Pompeji.

 

Den Anfang des Buches fand ich etwas eigenartig und ich brauchte etwas um mich fallen zu lassen. Besonders dieser extrem plötzliche Umschwung von Alex und ihrer Persönlichkeit und dieses ich treffe einen wildfremden Menschen und zieh erst mal drei Wochen bei ihm ein, fand ich nicht so gut. Ab den ersten Kapitel von Paula war ich aber gefangen und wurde von Seite zu Seite mitgerissen. Von da an war das Buch für mich wirklich gut mit vielen facettenreichen, vollkommen klischeefreien und liebevoll gezeichneten Charakteren. Wobei die wichtigsten für mich auf jeden Fall Paula und Clemens waren und Alex nur eine kleine Nebenrolle war.

 

Fazit

 

Ein bewegendes und spannendes Buch. Charlotte Roth schafft es nach leichtem holpern am Anfang des Buches, eine ergreifende Geschichte zu erzählen von einer starken Persönlichkeit, Paula, die ein einzigartiger Charakter war. Das Buch ist die perfekte Mischung aus historischen Fakten, deutscher Geschichte und dem wahren Leben, in dem sich die Leute an Liebe und Hoffnung klammern um in diesem Elend überleben zu können. Ein Buch das verdeutlich, das all unsere Familien und Geschichten irgendwie von damaligen Ereignissen und Entscheidungen beeinflusst sind, zum Teil, ohne das wir wissen, wie. Es gibt vier Sterne und eine Leseempfehlung.