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Ich lese gerade

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Was ist Wahrheit, was Lüge?

Lügentanz: Roman - Ivonne Keller

Eines morgens stellt Michaela Michalsen ihrem Mann David nebenbei die Frage – „Liebst du mich noch?“. Mit einem „Nein“ hat sie auf keinen Fall gerechnet. Oder damit, dass er die Trennung möchte. Plötzlich fehlen ihr Erinnerungen an ein wichtiges Telefonat. Ist es der Schock? Oder sind die Aussetzer zurück, die sie bereits vor zwölf Jahren fest im Griff hatten? Spielt ihr Mann vielleicht sogar ein falsches Spiel und will sie in den Wahnsinn treiben?

 

Meinung

 

“Waren ihre Aussetzer wieder da? […] Kein Mensch hatte damals verstanden, was da vor sich ging. Auch nicht der Psychiater in der Klinik, obwohl er sich wirklich alle Mühe gegeben hatte.” (S. 21)

 

Wie bereits bei Hirngespenster war der Schreibstil auch bei Lügentanz sehr schlicht, ohne große Ausschmückungen und dennoch schaffte es Ivonne Keller, dass ich das Buch schon nach den ersten paar Seiten kaum noch aus der Hand legen wollte.

 

Auch hier möchte ich mich zur Geschichte nicht mehr preisgeben. Jeder weitere Satz, der über die oben stehende Inhaltsangabe hinausgeht, würde zu viel verraten.

 

Das Buch war gespickt von authentischen, tiefgründigen, abwechslungsreichen Charakteren. Charaktere die zeigen, wozu Menschen fähig sind, wie sich traumatische Ereignisse auf die Psyche auswirken können aber auch, wie wichtig Bezugspersonen, Familie, Freundschaft und Liebe sind. Das Buch zeigt Protagonisten, die ich mir sehr gut im realen Leben vorstellen kann. Es wirkte, wie die Lebensgeschichte eines realen Menschen, statt einer fiktiven Person. Genau das ist es auch, was mich an Ivonne Keller’s Geschichten fasziniert – dieses ständige Gefühl, gerade eine wahre Geschichte zu lesen, obwohl sie komplett erfunden ist.

 

Von Beginn an war ich gefesselt, litt mit Michaela mit und wollte verzweifelt wissen, was los ist. Ist es ihre Psyche, ihr Mann, was passiert nur? Und was hat Lena vor, wer ist sie und Bea, ist sie wirklich eine so gute Freundin? Fragen über Fragen, die mit jeder Seite mehr wurden und erst ganz zum Schluss mit einem großen Knall aufgeklärt wurden. Dabei reicht der schlichte und etwas kühle Schreibstil vollkommen aus, denn Ivonne Keller schafft es immer wieder, kleine Appetithäppchen einzuwerfen, die mich komplett an das Buch fesselten. Denn zur eigentlichen Geschichte, stehen am Ende von jedem Kapitel Nachrichten von Bea, Michaelas bester Freundin, an sie, die aus der Zukunft sind, also nach den Geschehnissen. Und mit diesen Nachrichten kommen immer neue Hinweise und Fragen durch die ich ständige neue Spekulationen und Ideen hatte, die aber durch komplett überraschenden Wendungen widerlegt wurden.

 

Fazit

 

Auch mit Lügentanz konnte mich Ivonne Keller von der ersten bis zur letzten Seite überzeugen. Es war gespickt von wahnsinnig authentischen Charakteren. Ich fühlte mich, als würde ich gerade die Geschichte einer wahren Person lesen. Das ist das, was mich am meisten fasziniert. Ebenso wie die ständigen neuen kleinen Appetithäppchen auf eine mögliche Lösung, mit denen ich immer falsch lag. Das Ende überraschte mich komplett.  Lügentanz bekommt somit fünf volle Sterne und ich bin hungrig auf mehr Geschichten von Ivonne Keller.